Sonntag, 19. November 2017

Fränkisch-Transsilvanien

Neulich auf einer Zugfahrt durch oberfränkische Gefilde ließ sich der Mitbewohner zu einem Ausspruch hinreißen, der wie kein anderer meinen Eindruck von Franken zwischen Oktober und März fasst:
"Wie Transsilvanien."
Gemeint ist natürlich das Klischee: dunkel, kalt, Wald. So sehr man die wildromantische Landschaft in der milden Jahreszeit schätzen kann - im Oktober geht hier sprichwörtlich das Licht aus. Eigentlich könnten sie die Straßenbeleuchtung gleich den ganzen Tag eingeschaltet lassen, denn von Tageslicht kann man (an guten Tagen) vielleicht zwischen 12 und 14h00 sprechen, dann befinden wir uns wieder im ewigen Dämmerungszustand, der von Mitte Oktober bis Mitte März anhält. Das ohnehin reduzierte Tageslicht wird meistens noch von einer scheinbar kilometerdicken Wolkenschicht abgeschirmt. Und da Sonnenlicht ja auch Wärme bedeutet, ist es hier gleich auch nochmal ein paar Grad kälter als irgendwo sonst. Der Kühlschrank der Nation.
Es gibt für mein Empfinden auch keinen Herbst. Spätsommerliche Tage gehen gleich in einen verfrühten Winter über, Wolkenmassen legen sich über das Land und die Depression kriecht ins Gemüt.
Und während man also am Nachmittag durch die dunklen Straßen stapft, friert und der leichte Wind in jede Spalte des Mantels bläst, stellt sich nicht selten auch noch ein gemeiner Nieselregen ein: zu wenig, um den Schirm rauszukramen, aber genug, um nass zu werden und noch mehr auszukühlen.

Der Winter ist hart und hartnäckig hier. Ein geradezu skandinavischer Winter, gäbe es denn mehr Schnee. Stattdessen gibt es reichlich Schneematsch - ebenso in jenem Einheitsgrau, das man auch sieht, wenn man zum Himmel schaut.
Das ist die Krux: so wie grau unentschlossen zwischen weiß und schwarz, Licht und Dunkel ist, so unentschlossen ist der Winter hier: kein richtiger Schnee, kein richtiges
 Tageslicht, kein richtiger Regen, kein richtiger Wind. Grauzone, irgendwo dazwischen.

Heute im Garten eben diese Trostlosigkeit. Düster und grau. Das einzige, was für einen Überraschungseffekt sorgte, war der Knoblauch, der neugierig den Kopf schon aus der Erde steckt. Der Arme, was für eine Enttäuschung muss das gewesen sein...


Lässt sich nicht die Laune verderben: mein Feldsalat im Steinbeet




Sonntag, 12. November 2017

Da rett' ich den Rettich

Nun ja, der Rettich muss wahrscheinlich nicht gerettet werden, aber ich habe heute - angesichts dieses plötzlichen Wintereinbruchs - doch lieber mal großzügiger geerntet.
Bei Schneeregen und Temperaturen um den Gefrierpunkt wird aus meinem beschaulichen Garten ein schlammiges Survival-Camp.
Auch Tommy die Wunderblume musste evakuiert werden, denn für Frost ist er dann doch nicht geeignet, der kleine Kerl.
Das Balkongärtchen wurde im Hauruck-Verfahren ins Wohnzimmer verlagert.

Ja, ich weiß.
Ich geb's ja zu, ich hab es vermasselt.
Zu lange gewartet und den Moment verpasst, in dem man vernünftigerweise die Gewächse umgesiedelt und eingemummelt hätte, statt jetzt überstürzt alle einzusammeln. Aber was soll man machen, wenn sogar die Wochenenden manchmal nicht frei sind und der Garten sich um sich selbst kümmern muss...
Ab jetzt gibt es also TK-Spinat aus dem Garten, statt aus dem Supermarkt.

Mittwoch, 1. November 2017

Gebuddelt wird bis zuletzt

Nurmehr zehn Grad waren es heute. Aber als die Sonne dann kurz aus den Wolken schaute, hab ich mich dennoch in den Garten getrollt. Man könnte ja noch einen Kubikmeter Erde umwälzen und Traubenhyazinthen ausgraben...

Links unter dem Vlies der Zustand vorher: die Halme der Traubenhyazinthen schauen büschelweise aus der Erde.
Ganz rechts im Bild das fertige Beet: halmfrei :-) und feinkrümelig durchgesiebt.
Nichtsdestotrotz ist es ein Knochenjob, die inzwischen feuchtnasse Erde schaufelweise auszuheben und durchzusieben...


Andernsorts im Beet entstehen schon Lücken, die mit Grünzeug gemulcht werden. Sieht zwar chaotisch aus, funktioniert aber wunderbar.
Eine der Rettichparzellen ist fast raus.

(ganz unten am Bildrand übrigens meine ersten Versuche mit Radicchio und Endivie, leider zu spät gesät, so dass sie nicht mehr auswachsen werden).
Diesmal gehen die Rettiche ans andere Ende der Republik. Tja, sind halt Rettiche mit weitreichendem Ruf ;-)


Im Balkongärtchen ist die Saison fast schon zu Ende. Die beiden letzten Paprika baumeln auf ein bisschen Erröten hoffend noch am Strauch. Die Petersilie läuft nochmal zur Höchstform auf und der Salat... blüht.











Aber ein kleiner Überraschungsgast hat sich noch zum Schluss dazu gesellt:
Alberto, der Apfelsprößling.
Neulich schnitt ich einen Apfel auf, da war der Kern schon fast ein Pflänzchen und ich konnte nicht widerstehen, ihn in Erde zu setzen. Jetzt ist er halt da. Alberto.