Freitag, 29. Juni 2018

Sommer-Vanitas

Es ist jene kurze Zeitspanne, in der der Garten in größter Fülle steht. Alles ist groß, überquellend und breitet sich schamlos aus - reinste Eitelkeit. Und doch zeigt er schon die ersten Anzeichen, dass er seinen Zenit überschritten hat.



Cocozelle. Ich sehe schon das Ragout vor mir...


Kapuzinerkresse und Feuerbohne haben sich mächtig breit gemacht...


bunter Mangold, kürzlich abgeerntet
Vogelbad vor der Bienenweide


Tondo di Chioggia

die Kohl-WG




Kaum zu glauben, dass er genauso wild und chaotisch und dennoch kultiviert gelungen ist, wie ich ihn mir letztes Jahr vorgestellt habe. Und alle fühlen sich offenbar pudelwohl, Pflanze und Tier.  Es sieht wüst aus, meine konsequente Flächenkompostierung ist dem Mitbewohner ein Greuel, weil ständig Grünschnitt zwischen den Pflanzen liegt und gammelt. Aber es funktioniert, die Erde bleibt länger feucht und der Mulch verwandelt sich in Dünger, der Kreis schließt sich immer wieder.

Zeit habe ich fast keine, der Garten kümmert sich gerade mehr oder minder um sich selbst. Aber das Gießen - das muss ja sein - wird zu sportiver Meditation. Ich beeile mich nicht, schleppe gut zwanzig Mal meine gefüllte 10l-Zinkgießkanne über die Beete. Ist ja der einzige Sport, den ich als Vollzeitpapiertiger gerade mache. Dabei kann man nicht nur wunderbar die Pflanzen beschauen und den Zustand erkunden, man kann auch herrlich seinen Gedanken nachhängen, während das Wasser aus dem Hahn in die Kanne plätschert. Der Kopf leert sich, die Seele baumelt.

Freitag, 8. Juni 2018

Über nützliche Schädlinge und Qualitätsmanagement

Es vergeht kein Tag, an dem sie mich nicht nerven, die Blattläuse. Sie hängen bedrohlich an meinen Ackerbohnen, haben den Salbei in Beschlag genommen und verfolgen mich buchstäblich bis nach Hause auf meinen (Salat-)Teller.

In meiner kurzen Mittagspause war mir heute nicht nach essen, weshalb ich unentschlossen in einem Beilagensalat in der Mensa rumgestochert habe und - Automatismus - unbewusst Blattläuse gesucht habe. Aber da waren keine. Keine einzige. Den Salat hätte ich einfach so essen können, ohne ungebetene Beilage. Eigentlich erfreulich, kam mir das doch plötzlich verdächtig vor. Es ist relativ klar, dass das nicht nur an den Putzmethoden der Großküche liegt, sondern schon auf dem Feld sämtliche Salatbesetzer vertrieben wurden. Vermutlich mit etwas, das man nicht aussprechen  und streng genommen wohl auch nicht essen kann. Deshalb vergreift sich keine Blattlaus und auch sonst nichts Lebendiges mehr an diesem *Gemüseprodukt*. Da drängt sich mir allerdings die Frage auf:

WARUM SOLL ICH EIGENTLICH AN DIE QUALITÄT MEINES ESSENS GERINGERE ANSPRÜCHE STELLEN ALS EINE   B L A T T L A U S ??? Halloooo?

Also nochmal von vorn. Umparken im Kopf. Perpektivenwechsel: Blattläuse in meinem Salat und am Gemüse im Garten sind so gesehen etwas sehr erfreuliches, nämlich ein Statement über die Qualität meiner Nahrungsmittel. Dass die Krabbler alle bei mir sitzen und nicht in den Chemietrutzburgen in der Umgebung ist zwar wirklich lästig, manchmal auch schädlich, aber sie kommen ja nicht grundlos zu mir, sondern weil es bei mir das beste Essen gibt.
Nicht, dass ich meine Schädlingsgemeinschaft jetzt heilig sprechen möchte. Ich bin heilfroh, dass der Kohlweißling den Kohlrabi bisher einfach nicht gefunden hat, da offensichtlich die reich blühenden Rosen daneben den Duft überdecken. Und, ja, ich weiß, mein Garten ist von Natur aus schneckenfrei, ich Glückliche. Aber man kann das Ganze auch mal positiv sehen, die Läuse zu Lästlingen erklären und sie als Teil des Qualitätsmanagements begreifen. Dass sie nicht Überhand nehmen, regeln ja letztlich die Nützlinge, die auch nur vorbeischauen, weil mein Garten kein Drohpotenzial hat, dafür aber ein paar Futterpflanzen extra für tierische Mitarbeiter.

Beim nächsten Mal angesichts einer Horde schwarzer Läuse an der Bohnenstange, mache ich mir also bewusst, dass es eigentlich gar nicht um die Frage geht "giftfrei oder blattlausfrei?" sondern um die Frage, wessen Speise das Gemüse letztlich wird: meine oder die der Laus? Ich denke, da bin ich langfristig der Laus dann doch strategisch überlegen...

Montag, 4. Juni 2018

Sommergarten

 ...leider im Moment kaum Zeit für den Garten oder den Blog. Aber ein paar Schnappschüsse aus dem Sommergarten in voller Pracht gehen allemal:

Mein kleiner Küchengarten
Melde, Salate, Erbsen und rechts die Cocozelle


Kohl und Doldenblütler (Möhren, Pastinaken...)

 

Dienstag, 29. Mai 2018

Stargast in Buddels Blog

Mein Arbeitgeber unterhält ja eine ansehnliche Sammlung Pflanzen, darunter eine Topfpflanze mit dem klangvollen Namen Amorphophallus titanum, oder kurz: Titanwurz.
Wie der Name schon ahnen lässt, handelt es sich nicht um ein Gewächs im klassischen Fensterbank-Format. Meistens ist die Titanwurz eine unscheinbare Knolle oder ein grünes, etwas urzeitlich aussehendes Bäumchen - in Wahrheit ist das ein einzelnes Blatt, das einfach so riesengroß ist, dass man aus unserer Perspektive den Blattstiel als Stamm wahrnimmt... Aber manchmal, alle paar Jahre, passiert etwas, was die ganze Uni in Bayreuth in helle Aufregung versetzt, wildfremde Menschen laufen dann auf dem Campus rum "Wo gäht's denn zum Bodanischen Gadden?" Alle wollen es sehen, das botanische Großereignis: die Titanwurzblüte.
Und so hingen denn schon seit Wochen die liebevollen Banner auf dem Campus "Wir erwarten bald eine Blüte der Titanwurz" und mittels Webcam konnte man täglich verfolgen, wie sie wächst. Gestern Nachmittag war es dann so weit: die Blüte entfaltete sich und "Ahhh!". Eine Schönheit. Leider stinkt sie wie verwesendes Fleisch, man kann halt nicht alles haben...
Und sie macht sich rar: nur 24h blüht sie, deshalb hab ich heute auch mal vorbei geschaut, immerhin blüht schon zum dritten Mal seit meinem Antritt in Bayreuth eine Titanwurz und nie habe ich es mal geschafft, sie zu sehen.
Die blühende Titanwurz im Größenvergleich mit einem Menschen

Groß ist sie. Unwirklich groß. Und heute hat sie gar nicht so sehr gemüffelt. Sie steht im Tropenhaus, dessen Klima nichts für schwache Gemüter ist, heute jedoch auch nicht schlimmer als draußen war. Eine halbe Stunde UrLaub um UrWald :-)










 Und weil ich gerade da war, habe ich natürlich noch einige andere wundersame Gewächse im Tropenhaus gesichtet und fotographisch festgehalten:





Wilde Banane - wilde Farbe!



Unter diesem Baum geht man etwas schneller durch...


Den ökologisch-botanischen Garten der Uni Bayreuth kann ich generell sehr empfehlen als Ausflugsziel für alle Naturinteressierten. Eine große Anlage, mit verschiedenen Klimazonen, Gewächshäusern, Waldgärten, und auch ein Nutzgarten mit Versuchsfeldern.
Bayreuth besitzt sogar zwei Titanwurze. Die zweite stand - von vielen wahrscheinlich gar nicht bemerkt - direkt neben der blühenden und ist gerade im Blattstadium:
Botanisch gesehen ist dieses 'Bäumchen' nur ein einzelnes Blatt

Nochmal ein Portrait - ist sie nicht hübsch...? 

Dienstag, 22. Mai 2018

Neues Rezept für Problemgemüse!

Unter meinen Rezepten für Gartenverlierer (siehe rechts) gibt es nun den
Fall 4: Salat schießt und wird lederig
Wenn nach anhaltender Hitze lederige, etwas zähe Lappen am langsam schießenden Salatkopf hängen, kann man daraus immer noch etwas machen, z.B. Tarte von verschiedenen grünen Blättern.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Sonntag, 20. Mai 2018

Auf der heimischen Scholle

... an der Saar ist Buddel an diesem Wochenende. Jedoch nicht, ohne nochmal im Garten nach dem Rechten zu sehen und zu ernten, was zu ernten ist. Und so gingen ein halbes Dutzend Rettiche und fünf vorgezogene Feuerbohnen auf Reisen einmal quer durch die Republik, mit der Bahn.

Der Küchengarten Mitte Mai

Rot leuchtende Gartenmelde

Frisch gepflanzt: Feuerbohnen sollen zusammen mit der Kapuzinerkresse die Laube verschönern, ohne ihrer Bausubstanz zu schaden. Den wunderbaren langen Rank-Ast habe ich im Gebüsch auf dem Campus der Uni erbeutet...

Die "vierte Parzelle": für Gemüse eher ungeeignet, wird sie nun zur Bienenweide und bekommt ein Vogelbad. Ein kleiner Weg soll den Zugang für Pflegearbeiten erleichtern.

Morgens im Salatbeet

Kleine Hummel auf Akeleiblüte

Montag, 14. Mai 2018

Regen oder nicht Regen...

... das ist die tägliche Frage. Es nervt mich, dass der Wetterbericht selbst für den schon angefangenen Tag, ja selbst das Regenradar, zur Zeit so unzuverlässig sind...

Gestern stand ich vor der Frage, ob ich die zweite Hälfte der Regentonne noch ins Beet bringen soll oder nicht. Am Himmel Schäfchenwolken, aber Wind und graue, bauschige Wolkenberge in der Ferne. Das Regenradar prognostizierte eindeutig Gewitter am Abend. Also nicht gießen - ersäufen will man den Garten ja auch nicht.

KEIN TROPFEN ist gefallen, auch nachts nicht. Und heute morgen musste ich vor 6 weg, so dass beim besten Willen keine Zeit war, noch zum Garten zu tigern. Grrrrrrr. Die armen Keimlinge, kein Wunder dass sie so schlecht auflaufen! 
Im Moment gewinnt man den Eindruck, dass man mal wieder auf der meteorologisch  unvorteilhaftesten Scholle der Republik hockt: bis die Regenfelder nach Oberfranken kommen, haben sie sich schon wieder ausgeregnet. Ebbe in der Tonne und Wüste im Garten.

Kann mich gar nicht erinnern, dass ich mich früher, ohne Garten, so sehr übers Wetter aufgeregt habe.