Samstag, 8. Juni 2019

Gartengroßkampftag

Zu zweit schafft man interessanterweise mehr als doppelt so viel im Garten... jedenfalls wurde heute, da der Mitbewohner wieder im Garten zur Höchstform auflief, mal wirklich viel geschafft: gejähtet, gepflanzt, gesät, die Wege in Ordnung gebracht, die Zierbeete entrümpelt. Und wie immer, wenn der Mitbewohner in Aktion ist, kann man anschließend vom Gartenweg essen - also fast.

Jetzt herrscht wieder etwas mehr Ordnung im Beet. Denn während ich meist vollauf beschäftigt bin, das Gemüse zu hegen und aufzuziehen, widmet sich der Mitbewohner den eher kosmetischen Eingriffen, die aber letztlich der Übersicht und dem Vermeiden von grüner Hölle sehr zugute kommen.
Inzwischen sind fast alle Sommersaaten im Beet. Und erstmals haben es auch Tomaten in meinen Garten geschafft, obwohl ich das eigentlich nie wollte. Aber ich habe nicht genug Platz auf dem Balkon, so what...

Wenn ich Zeit dafür habe, rupfe ich ausufernde Sträucher in der Zierrabatte und zerkleinere das Grün, um es als Mulch in die Gemüsebeete zu streuen. So löse ich zwei Probleme auf einmal: der Wildwuchs wird eingedämmt und ich muss weniger gießen. Außerdem ist der Komposter WIRKLCH voll.









Die Bohnentürme sind bis Ende Juni bestimmt eingewachsen, die Erbsen unter dem Netz hingegen reif.


Der Mitbewohner hat das kleine Beet mit dem Rhododenron entrümpelt...

Beet-Panorama: der Salat hat sich selbst ausgesät, links die Pastinaken, mittig unter dem Mulch die Tomaten und im Hintergrund im Mulch kleine Beten und Kohlrabi


Die Rosen haben ihren großen Auftritt

Sonntag, 2. Juni 2019

Und schwups - Sommer !!!

Es ist schon verwunderlich, wie der Garten mit einer Wettersaison umgeht. Erst bleibt es kühl und regnet und alles entwickelt sich langsam im Garten, geht gar nicht voran. Und kaum ist es mal zehn Tage am Stück wärmer, <puff> die grüne Hölle explodiert und sieht aus, als hätten wir schon drei Wochen Sommer.
Zwei Tage hat es gebraucht, bis ich die Wildnis halbwegs im Griff hatte. Es sieht etwas chaotisiert aus, aber das hat viele Gründe: zum Einen sind einige Pflanzen schon sehr groß - die Saatgut-Blüher wie der Mangold, der Ampfer und die Kamille-Büsche, andere Pflanzen durch die Witterung noch sehr klein, wie die Möhren, der Salat usw. Dadurch entstehen große Lücken, die von weitem unbepflanzt aussehen...
Durch das Stehenlassen derer, die Ausblühen sollen, passiert es dieses Jahr auch, dass eine einzelne Möhre zwischen den Erbsen steht, ein Mangold im Bohnenfeld und damit optisch für mehr Unordnung sorgt als sonst.
Ich muss auch sagen, dass manche Pflanzen und Sträucher inzwischen gigantische Ausmaße angenommen haben und im Laufe des Sommers doch mal kräftiger gestutzt werden müssen. Der Salbeibaum ist solch ein Brummer, dass er die ganze Gartenecke ausfüllt!
Erst mal ein Überblick:



Inzwischen gibt es erntbaren Salat und die Erbsen machen auch schon Hoffnung. Rettich und Pastinaken sind gut aufgegangen, der Knoblauch des Mitbewohners entfaltet seine ganze Pracht am Rosenbogen. 
Gestern hatte ich indes auch mal Zeit, ein paar lauschige Momente mit dem Objektiv einzufangen und mal genauer hinzuschauen:
Schnittlauchblüten - und ihre Besucher



Immer wieder ein Motiv: Blüten der Pimpinelle

Lavendel

Kornblume (eine Sekunde später brummelte sich eine große Erdhummel ins Bild)

 
Kamille, meterweise


Wildrosen und ihre adligen Schwestern

Witterungsbedingt habe ich dieses Jahr mehr Möhren, Radieschen und Salat, dafür weniger sonnenhungrige wie Basilikum - genaugenommen habe ich davon noch kein einziges Pflänzchen groß bekommen. Vielleicht ist auch das Saatgut zu alt...
In jedem Fall kann man sagen, dass der Garten in Gang gekommen ist. Völlig anders als letztes Jahr. Andere Pflanzen, andere Rhythmen, andere Probleme. Nun ja, willkommen in der Natur.

Sobald der Mitbewohner und ich mal 'gleichzeitig' Zeit haben, werden wir die Wege runderneuern: das Wegekreuz muss neu bestreut werden und die Beeteinfassungen müssen stellenweise angehoben werden. Der Weg an der Rabatte entlang ist ein Graus: so viel Wildkraut sprießt durch den Belag, so dass wir uns da jetzt doch mal für sauren Rindenmulch entschieden haben. Und auch der befestigte Weg ist in einem (Unkraut-)Zustand, dass der Mitbewohner beschämt wäre, wenn er davon wüsste... was soll ich sagen? Meine begrenzte Zeit gehört dem Gemüse, nicht dem Beikraut in der Fuge am Wegesrand.

Mittwoch, 1. Mai 2019

Nee, also wissen se, nee...

Also wirklich nicht. Gleich vorweg: die Stimmung ist mies im Beet. Irgendwas läuft schief dieses Jahr. 80% meiner Voranzucht hat das Keimblattstadium nicht überstanden und ist verstorben. Einfach so. ich kann es mir einzig durch die kühle Witterung erklären - ja, ja, ich weiß, angeblich war der April wieder zu warm, aber NICHT HIER IN OBERFRANKEN. Hier kamen wir oft nicht über die 10°-Marke hinaus und das ist einfach zu kalt für Tomate und Co. Selbst die Kohlrabi sanken irgendwann nieder. Und am kommenden Wochenende soll's ja mal wieder schneien. So wächst natürlich kein Gemüse.
Im Garten direkt Gesätes machte sich - etwas - besser, aber dann kam die erste Dürrephase, kombiniert mit einem Wasserrohrbruch im Garten, so dass es kein Wasser gab. Die Regentonne war leer, es fiel kein Tropfen Wasser vom Himmel und aus dem Wasserhahn - nichts. Ich gieße ohnehin nicht gerne Trinkwasser, aber was soll ich denn machen??? Ein paar Tage habe ich also Wasser in Kanistern vom Dorfbach rauf in den Garten geschleppt, das verhinderte das Schlimmste. Aber das ging nur, so lange nur ein paar Parzellen im Garten gewässert werden müssen, sonst würde ich ein Dutzend mal zum Bach und wieder zurück laufen. Nun hat es ja immerhin geregnet...
Aber wenn ich daran denke, dass ich letztes Jahr im Mai den Salat fast schon komplett abgeerntet hatte und er jetzt gerade erst ein paar Zentrimeter hoch ist, dann kann man nur feststellen: irgendwas ist anders dieses Jahr. Es kommt alles nicht in Gang. Selbst Spinat und Melde, alles im März ausgesät, sind erst ein paar Zentimeter hoch.
Salat kaum sichtbar im Beet am unteren Bildrand...

Zu schauen  gibt's trotzdem: es ist ja so eine Eigenheit meines Gartens, dass im Frühjahr überall wild verstreut die Tulpen auftauchen, in allen Farben und Formen, und dem Garten vorübergehend ein buntes Gesicht geben.








Die Erbsen sind leider auch nur teilweise gekeimt, dabei haben sie ein so schönes Zuhauses in WG mit einer Wintermöhre, die dieses Jahr blühen soll.

Naja. Mal sehen. Ich habe nun einiges direkt gesät und auch nochmal nachgesät. Vielleicht bleibt es ja bis in den Herbst mild und das ein oder andere Gemüse wird noch. Ein mieser Start jedenfalls...

Dienstag, 26. März 2019

Neues vom Balkon

Ha, es gibt ihn noch, den Balkongarten! Wo einst alles begann mit Buddels Buddelleidenschaft, ist es mit den jahren aber übersichtlicher geworden. Nichtsdestotrotz ist der Balkon noch immer ein Zentrum für Anzucht und Abhärten der Jungpflanzen - und klimatisch bevorteilt: hier keimt's schneller als im Garten.

Und so grünt es hier schon im Kasten: aus einer Laune heraus hab ich etwas überalterte Radieschensaat in die Kästen gesät, voilà!


Der Rosmarin blüht zum ersten Mal, nachdem er den Winter ganz 'cool' überstanden hat.





Im Pflanzenkindergarten (haha, hier macht der Begriff mal Sinn) sind sie noch etwas verhalten, wenn auch fast alle brav gekeimt.



Ein Überraschungsgast hat sich im Topf bei dem überwinternden Strauchbasilikum gezeigt: Tomaten. Rechts im Topf haben sich zwei Goethepflänzchen von meinem Sukkulententisch niedergelassen, aber das links im Topf sind tatsächlich Tomaten, die irgendwie mit der Erde in den Topf geraten sind - wahrscheinlich mit einer im Substrat versteckten Tomate der Vorsaison??? Die Sämlinge machen sich so wacker, dass ich wohl pikieren werde. So viel Überlebenswille muss ja honoriert werden.


Sonntag, 17. März 2019

Wir säen uns in Schwung

So viel Wind in den letzten zehn Tagen, man fühlt sich wie an der Nordsee... Mir soll's recht sein, ich liebe den Norden. Nichtsdestotrotz war heute nach so vielen fiesen Regentagen das perfekte Gartenwetter: sonnig, nicht zu warm, windig.
Der Boden ist so vollgesogen mit Wasser, dass er zum Säen geradezu einläd.
Ackerbohnen und Radieschen sind schon eine Woche im Beet, heute kamen die frühen Möhren, Pastinaken, Haferwurz, Melde, Spinat und Zwiebeln dazu. Was letztes Jahr zu klein blieb an Zwiebeln, wird dieses Jahr gesteckt. Ansonsten bin ich ja große Partisanin der Säzwiebel - Zwiebeln stecken kann jeder, aber Aussäen erfordert Geduld und Fingerspitzengefühl. Ganz davon abgesehen gibt es keine alten fränkischen Zwiebeln als Steckzwiebeln...
Nachdem der Mitbewohner ja so erfolgreich den Knoblauch letzten Herbst gepflanzt hat und sich am stetig wachsenden Lauchschlot erfreut, wurde er jetzt auch offiziell der Verantwortliche für die Erbsen im Garten. Erbsen säen ist nicht so friemelig, relativ übersichtlich und fehlersicher. Außerdem gibt's noch was zu bauen: das Rankgerüst. Also ein perfektes Männer-mutieren-zum-Gärtner-Gemüse (ja, ja, ich weiß, Sexismus im Garten...;-).

Dekorativ: überwinterter Radicchio
Am späten Nachmittag schlug das Wetter dann um. Wunderbar. Das frisch Gesäte wurde also gleich gewässert.
Noch muss man sie suchen, die kleinen Gartenwunder, aber sie zeigen sich schon und kündigen das wilde Leben an:
Pimpinelle treibt frisches Grün

Knospen am Flieder

Sie begrüßen den Gartenbesucher schon seit Wochen

Die Dornen verraten sie

So unscheinbar die Pflanze, so winzig die Blüten: Vogelmiere im Makro

Die Fetthenne erwacht aus dem Winterschlaf

Möchten noch kuscheln: kleine Feldsalatrosetten

Der erste Bienenschmaus: Blausternchen



Samstag, 16. März 2019

Rezept: Möhre 1666

In meinem ersten Beitrag zu historischen Gemüsesorten ging es um die Möhre, ein Urgestein unserer Küchengärten. Elssholtz empfiehlt in seinem Gartenbuch von 1666 als Zubereitungsart das scheibenweise Ausbacken im Teigmantel. Klingt mühsam, die kleinen Scheibchen in Teig zu wenden und dann irgendwie ins Fett zu manövrieren...
Nicht mit unseren Kilomöhren! Die Jaunes du Doubs hatten manches mal 5 und mehr Zentimeter im Durchmesser und ließen sich für dieses Rezept prima einsetzen:

Also, man nehme eine dicke Möhre, schneide sie in nicht zu dünne Scheiben

 und wende sie in einem dünnen Backteig nach Wahl (mit Wasser, mit Bier,...  etc.).


Ab in die Pfanne - raus auf den Teller

Gaumenlevel: ganz ordentlich. Recht gehaltvoll. Man muss experimentieren mit dem Teig, wie würzig man ihn haben möchte, und mit der Hitze, je nachdem, wie knusprig man es möchte. Mit Sauerrahm oder Kräuterquark ist es ein einfaches, aber leckeres Gericht.

Donnerstag, 7. März 2019

An den Sauzahn, fertig, los!

Der Termin prangte ja schon lange im Kalender: Erstes Märzwochenende: Ansäen. Und so nutzten wir den trüben, aber halbwegs trockenen Samstag, um im Garten Klarbeet zu machen.

Ich war ein wenig beschämt am Abend. Denn während ich wie immer plan- und strukturlos gerodet, gehackt, geräumt und gegräpelt habe, hatte der Mitbewohner im Handumdrehen systematisch die Gemüsebeete mit dem Sauzahn umgepflügt, den Rest vom Flächenkompost untergeharkt und die Beete allesamt exakt gerade gezogen und geglättet. Zack zack - fertig zur Aussaat. Öhm...

Irgendwie packt's ihn immer mehr, den Mitbewohner, der sich stets ziert und über den Garten lästert, Widerwillen vorspielt und sich gerne stundenlang mit bedeutungslosem Unkraut aufhält. Aber der Ehrgeiz zündete offenbar, aus dem Wirrwarr der winterlichen Beete mit Gemüseresten und verwittertem Grünschnitt saubere, startklare Beete zu machen. Natürlich viel zu exakt, aber was soll's, die Ordnung wandelt sich von selbst in Chaos. Und ja, es hat natürlich auch etwas befreiendes, kräftig in Erdreich zu wühlen und Ordnung zu schaffen. Die Knochen ermüdet, Geist (und Garten) aufgeräumt, hinterließen wir am Abend den Garten in diesem Zustand:




Überraschend viel hat den Winter überlebt. Das zu spät gepflanzte Wintergemüse sieht noch proper aus und wir haben noch einiges vergessenes Knollengemüse gefunden. Für eine Gemüsesuppe wird's allemal reichen.
Sonntags hab ich dann noch angesät in der Anzuchtplatte. Die erste Runde Frühlingsgemüse. Und die schauen inzwischen schon alle hervor: Salat, Kohlrabi, Färberdistel, sogar die Tomaten!
Es geht also los, das neue Gartenjahr. Dabei ist mir das ungewöhnlich milde Wetter ein bisschen unheimlich...