Samstag, 26. Januar 2019

GARTENWERKZEUGE: erster Artikel verfügbar!

Auch auf der Seite der vergessenen Gartengeräte ist nun ein erster Versuch aus meinem Garten online!

ALTE SORTEN: erster Artikel verfügbar!

Auf meiner Seite zu alten Gemüsesorten und Gemüsegeschichte habe ich den ersten Artikel zur Möhre verfasst. Einfach mal reinlesen!

Dienstag, 22. Januar 2019

Ganz oder gar nicht? Oder halb?? Der Kampf mit dem Plastik...

Wenn ich über dieses Thema nachdenke, entweicht mir jedesmal ein tiefer, ratloser Seufzer...

Ihr wisst, mein Gärtchen schreibt sich auf die Fahne, ein historisch informiertes zu sein, dessen Bepflanzung und Bewirtschaftung am Modell anno dazumal orientiert ist. Gärtnern wie vor 100 Jahren.
Der größte Dorn in meinem Gärtnerauge sind daher Dinge aus Plastik, denn die dürften eigentlich gar nicht existieren - zumindest nicht in meinem Garten.
Mein großer Eimer: Plastik.
Mein Komposter: Plastik.
Das Fenster im Frühbeet: Plastik
und dergleichen mehr. Ich mühe mich schon, nur Pflanzgefäße aus Ton im Garten zu haben, eine Regentonne und eine Gießkanne aus Metall, Pflanzschilder aus Tontöpfchen und Rankgerüste aus Zweigen.
Ich habe schon viel Erfindungsreichtum aufgewandt, um Kunststoffe nicht in meinen Garten zu lassen, aber an manchen Punkten beginne ich zu (ver-)zweifeln, denn die Gegenwart lässt mir quasi keine Alternativen neben jenen aus Plastik Fantastik.

 Ich habe monatelang hin und her überlegt, ob ich ein Frühbeet mit Plastikscheiben in den Garten stellen soll. Alternativ hätte ich selber eines bauen müssen aus alten Fenstern. Klingt romantisch, aber das wäre schlicht am Zeitmangel gescheitert. Und wenn dann der Hagel kommt und die Scheiben zerschlägt, geht alles von vorne los. Also, mit Blick auf nachhaltige, dauerhafte und sichere Lösungen: Plastik, in Gottes Namen...

Der gleiche Terz mit dem Kulturschutznetz. Eigentlich müsste ich Netze aus Leinen über die Beete spannen - so Omas Aussage. Aber zum Teufel: woher bekommt man Leinen in dieser Qualität? Jute, grobmaschig, wäre eine Idee. Ich hab mich schlau gemacht: Jute und Rupfen gibt es in Maschenweite von 5mm bis quasi 0mm. Aber ich traue mich nicht, denn Jute mit 1mm Maschenweite (drüber brauchen wir gegen Erbsenwickler und Erdfloh gar nicht anfangen...) ist dann doch so dicht, dass sie die Pflanzen nennenswert beschatten würde. Und soll ich auf gut Glück in so viel Jutestoff investieren, um am Ende festzustellen, dass es nicht geht und ich eine halbe Gartensaison durch Lichtmangel ruiniert habe? Also vielleicht helfen größeren Maschen noch gegen Kartoffelkäfer und Kohlweißling, aber die sind beide in meinem Garten ein eher marginales Problem...

Last but not least: wo soll das Netz denn drüber gespannt werden? Ein Pflanztunnel muss her! Kein Problem, gibt es ja genügend schlaue Ideen: Einfach ein PE-Wasserrohr zugeschnitten, in die Erde gesteckt... nee, Moment, das ist ja schon wieder Kunststoff. Da gibt es (richtig teure) Alternativen aus Alu, aber das ist ökologisch ja keineswegs besser als Plastik. Schließlich hab ich sehr schöne Tunnelbögen aus Eisen gefunden, auch nicht gerade günstig, aber was soll's, nur: eigentlich sind sie zu klein, in die Erde gesteckt vielleicht 50, 60cm hoch. Für meine Erbsen schon fast zu niedrig, für den Rosenkohl sowieso. Und da frage ich mich dann, ob sich das Mehr an Geld lohnt für eine zwar dauerhafte und plastikfreie, aber nicht wirklich brauchbare Lösung - zumal das Schutznetz ja immer noch aus Plastik ist, aaaarrrr!!!
An dieser Zwickmühle ist letztes Jahr das Projekt Kulturschutznetz gescheitert und ich habe am Ende weder Tunnel noch Netz gekauft - sehr zum Bedauern meiner Erbsen und meines Kohls.

Gibt es jemandem mit Erfahrung in Sachen plastikfreie Kulturschutznetze???

Seien wir ehrlich: Plastik ist ein Problem, aber auch ungemein praktisch. Leicht, robust, wasserfest, billig. Ich friemel jedes Jahr Mikroplastik aus meinen Beeten, Krümel, die noch von der alten Beetumrandung vom Vorbesitzer in der Erde sind und mich ärgern. Aber abgesehen von dem höheren Preis bei nicht unbedingt besserer Qualität und Haltbarkeit ist es manchmal wirklich kompliziert, plastikfreie Alternativen überhaupt zu bekommen.
Meinen Plastikeimer gegen einen Zinkeimer auszutauschen, macht vor meinem ökologischen Gewissen keinen Sinn. Er ist ja nun mal da und werfe ich ihn weg, ist er Müll. Der *Fehler* ist ja quasi schon längst passiert...

Also was soll ich machen? 
Gibt es einen vertretbaren Kompromiss oder sollte ich mich radikal dem historischen plastikfreien Gärtnern verschreiben, auch wenn es Geld und Ernteerträge kostet? Wo wird mein persönlicher Feldzug gegen Plastik zum dogmatischen Selbstzweck??

Am liebsten sind mir immer noch geschnorrte, upcycelte oder aus Naturmaterial selbst gewerk
elte Lösungen. Das führt allerdings gerne zum Hamstern und Horten von Kram und Material, das man vielleicht nochmal brauchen könnte. Buddik - wie der Saarfranzose sagt. Aber bevor der sich ansammelt, greift der Mitbewohner meist rigoros durch.





Samstag, 19. Januar 2019

Vom Umlegen des Schalters

Sperriger Titel, oder?
Vielleicht fällt mir später noch ein besserer ein. Aber worauf ich hinaus will: es ist wieder passiert. Genau wie letztes Jahr.
Es stellt sich bei mir im Herbst, spätestens Ende November eine Gartenmüdigkeit ein und man will nicht mehr so recht im Garten werkeln und graben, da alles verblüht ist, das meiste geerntet und das Licht kaum noch den Erdboden erreicht. Der Zyklus des Gartenjahres geht dem Ende entgegen und wie bei den Pflanzen so ist auch meine Kraft aufgebraucht und ich möchte in die Winterpause. Man mummelt sich ein und schaut von drinnen nach draußen in die dunkle, bisweilen gefrorene Welt.
Die Tage werden ja auch kürzer und warum sollte mein zivilisierter Biorhythmus darauf nicht reagieren?
Man kann es auch schlicht Unlust und Überdruss nennen, die sich nach über 9 Monaten Pflanzenaufzucht und -pflege einstellt. Man möchte mal 'was anderes sehen und tun.
Aber das erklärt nicht, was letzte Woche passiert ist. Man muss wirklich sagen, von einem Moment auf den anderen wurde bei mir ein Schalter umgelegt, von Saisonende auf Saisonanfang, von erschöpfter Unlust auf umtriebige Planungslust. Der Saatgutkatalog von Dreschflegel lag schon fast eine Woche ungeöffnet in seinem Briefumschlag auf dem Tisch. Ich brauche sowieso kein Saatgut und der Garten war so weit weg im Kopf... keinerlei Reiz.
Doch an einem Abend letzte Woche waren die Dinge plötzlich anders. Der Gedanke an den Garten löste Tatendrang aus. Woher kommt denn das so plötzlich??? Der Saatgutkatalog geriet wieder in mein Blickfeld und ich packte ihn aus - ich brauche immer noch kein Saatgut, aber ich studierte ihn emsig und kam ins Überlegen. Der Pflanzplan vom Gärtchen wird hervorgekramt und nochmal durchdacht, ein Kalender wird angelegt. Es ist Mitte Januar, aber irgendwas ist aufgewacht, was den Garten nun wieder in die Schublade "interessant" einsortiert. Faktisch hat sich nichts geändert: es ist kalt und dunkel, der Garten wüst und nichts lässt erahnen, wann die Gartensaison tatsächlich starten kann. Mich erinnert das an die Wintervögel, die schon Ende Februar, noch bei Frost, ihren Gesang auf Frühling umstellen und der zwar schon deutlich helleren, aber noch immer winterlichen Landschaft eine ganz seltsame Anmutung verleihen - als wüssten sie, dass es nicht mehr lange dauert.

Vielleicht ist es eine Art Biorhythmus, ausgelöst durch die länger werdenden Tage, der mich jetzt in die Stimmung versetzt, meinen Plan und meine Gartenzutaten zurecht zu legen, um startklar zu sein.

So hab ich mir heute auch die Zeit genommen, oben rechts eine kleine Fotostrecke durch das letzte/erste Gartenjahr zusammenzustellen - von 0 auf 100 und wieder zurück.

Es grüßt euch

Buddel  
im Garten

Freitag, 11. Januar 2019

Das erste Jahr

Die letzten Gemüse verweilen in der Erde, aber die Beete sind weitesgehend still gelegt. Das war es also - 2018, das erste Gartenjahr.

Zeit für ein Resumee.
Hui und... weniger hui im Beet:

Die Knaller-Gewächse, die den besten und schönsten Ertrag gebracht und mich fast autark gemacht haben:

Wintermöhren: ich sage nur: Das Kilo Möhre - am Stück! Die letzten Riesenmöhren werde ich wohl ernten, wenn ich die Wintermöhren fürs nächste Jahr sähe. Das war wirklich ein Premiumgemüse. Und sie hat - obwohl sie als Wintermöhre ja nicht für besonders süßes Aroma bekannt ist - den Geschmackstest gegen die gekaufte Biomöhre um Längen bestanden. Da steckt enorm Aroma-Wums drin.

Ackerbohne: trug sogar zweimal und hat in den milden Tagen des Jahreswechsels allen Ernstes nochmal angefangen zu blühen... nicht umzubringen!

Salat: vor allem im Frühling und Frühsommer reichlich vorhanden

Cocozelle: unkompliziert und schädlingsfrei

Radieschen: in allen Sorten ein Renner. Wenn man diese Radieschen gegessen hat, empfindet man die käuflichen Sorten als eindimensionale Geschmacksunverschämtheit.


Sommerrettich: lecker und tadellos. Auch der ruiniert er die Geschmacksknospen für Kommerz-Gemüse.

Knoblauch: kleine, aber sehr feine Knollen. Genau richtig für einen Knoblauchminimalverbraucher. Und heiß begehrt bis an die Saar.

Zwiebeln: ebenso klein, aber fein. Ein Teil wird in der nächsten Saison gesteckt.

Kräuter: überall gut wachsend. Zum ersten mal ist mir die vegetative Vermehrung von Rosmarin gelungen. Ansonsten hatte ich vor allem so viel Basilikum, dass ich ihn als Salat verwendet habe.

Tomaten: auf dem Balkon. Die Sorten habe ich aus bunten Biotomaten vermehrt und sie sind ein Ausbunt an Robustheit. Trotz Trockenphase während meiner zwei Wochen Urlaub, trotz fehlendem Regenschutz: kein Ernteausfall, keine Krankheiten, im Gegenteil, Tomaten bis zum 1. Advent. Schräg...


Kohlrabi, früh gesät: eine solide Sorte, die hübsch aussieht und zuverlässig wächst. Und prima schmeckt. Ich hätte mehr pflanzen sollen.

Feuerbohne: Unermüdlich bis in den November Bohnen liefernd.


Pastinak: jetzt mein Wintergemüse, alle Rüben wurden 10-20cm lang und wunderbar pastinakig schmeckend.


Mangold: ein Hingucker und so üppig, dass ich ihn nächstes Jahr sparsamer pflanzen muss. Im Moment macht es eher den Eindruck, als würde er den Winter überleben und seinen Platz an Ort und Stelle behaupten. Na dann...


Die Mittelprächtigen:
Sommermöhren: hatten ein paar Läuse, dadurch blieb manche Möhre etwas klein

Kohlrabi der spät gesäte: zu spät ausgesät und blieb zu klein, war aber essbar.

Erbsen: eigentlich tolle Erbsen, groß, süß und reichlich, aber zu 2/3 vom Erbsenwickler gefressen...

Gartenmelde: Zwergzikadenfraß, war optisch kein Genuss. Sie kam im Herbst selbstausgesät wieder, blieb aber klein und wurde zu Gründungung.

Rote Bete: etwas bitter und klein, wahrscheinlich etwas zu eng gesät und dann ein zu trockener Sommer?

Haferwurzel: dasselbe, sie waren wohl etwas zu eng gesetzt und dadurch zwar schön und schmackhaft, aber bis auf einzelne recht dünn.

Die  Flops:
 Rosenkohl und Broccoli: Vor dem Kohlweißling erfolgreich gerettet, haben ihn die Läuse regelrecht überfallen. Und Läusepuhlen bei Kohlröschen war dann nicht so verlockend. Schade. Ansonsten ist er gut gewachsen. Nächstes Jahr kommt er unters Netz, dann wird das schon...
Der Broccoli hat mir allerdings einen Streich gespielt, ist ganz ordentlich gewachsen, hat aber keine dichte, feste Blüte ausgebildet, sondern lauter Mikrobroccolis...


Winterrettich: zu spät gesät, wurde nicht mehr groß.

Spinat: ebenso, aber da besteht ja noch Hoffnung, dass er überwintert

Die Überraschungserfolge:
Paprika: ein Überraschungserfolg mit großen, aromatischen Schoten, nachdem er nur zögerlich angefangen hatte. Paprika war der Nutznießer des Wüstensommers.


Feldsalat vom Vorjahr: hat sich im und um das Steinbeet selbst ausgesät und schon zweimal unverhofft die Salatschüssel gefüllt :-)

selbstausgesäter Salat und Melde: wer hätte denn damit gerechnet, dass der sich selbstausgesäte Salat noch kurz vor dem 1. Advent frischen Blattsalat liefert???


Und wie geht es weiter?
Man lernt ja viel aus einer Saison. Man korrigiert seine eigenen Erwartungen, der gärtnerische Hochmut kriegt abermals auf die Mütze und man erkennt, dass der Garten das Tempo und die Regeln vorgibt und nicht der Buddler.
Das nächste Gartenjahr kommt. Die Frage ist, ob es anfängt wie das letzte aufhörte? Das Ende der Gartensaison war schwierig, weil vieles jenseits des Gartenzauns seit Oktober anders kam als erwartet. Statt mehr Zeit für den Garten, blieb weniger Zeit übrig. Erst letzte Woche konnten die allerletzten Handgriffe der Wintervorbereitung gemacht werden und der Gedanke an die nächste Gartensaison verursacht das ein oder andere graue Haar. Die Nachkultur hatte darunter gelitten, dass man sich nicht richtig kümmerte. Und im Rückblick erkennt man, dass der Garten noch mehr Potenzial hätte, wenn man mehr Zeit in seine Bewirtschaftung investieren könnte.
Selbst der Saisonstart ist jetzt schon unverrückbar festgelegt: Vor dem 1. März ist im Kalender nirgends ein Schnipsel Zeit übrig, um anzusäen, was für einzelne Gemüse schon spät ist... Und gerade diese Denkweise ist ja schon das Problem: dem Garten ist mein Terminkalender wurscht, der will bewirtschaftet werden, wenn er so weit ist, nicht wenn es bei mir passt....
Wir werden sehen, was kommt. Einen Pflanzplan gibt es immerhin. Und der Wille zum Buddeln ist ungebrochen.


Weltraumsalat


https://twitter.com/Astro_Alex/status/1059082923083812865

Was soll ich sagen... ein denkmal für die Durchsetzungskraft des Lebens.


Und ein Hochgefühl für jemanden, der Biogärtnerin und Sternenguckerin zugleich ist :)

Freitag, 23. November 2018

Auch Pflanzen können Freunde werden...

... wie meine Käferbohne, die überschwenglich alles umarmte und festhielt, was in ihrer Nähe war: die Laube, den Zaun... und die Rose. Und da die warme Witterung so langanhaltend war, dass Rosen und Bohnen nicht mit dem Blühen aufhörten, blühten sie schließlich in inniger Umarmung als Bohnenrose, oder Rosenbohne:

Im Garten wurde letzte Woche offiziell auf Herbst umgestellt. Die verblühten, teilweise auch schon verkühlten Pflanzen kamen raus und wurden zu Mulch gehäckselt (<räusper> ich häcksle von Hand...) Auf die frei werdenden Beete kam der Mulch nun als Flächenkompost.

Die Tagetes blühen tapfer weiter, ansonsten wird es wirklich ruhiger im Garten und übersichtlicher:


Man stelle sich vor: der Mitbewohner hat den Knoblauch für nächstes Jahr gepflanzt! Das ist gleich mehrfach außergewöhnlich: zum Einen mag der Mitbewohner überhaupt keinen Knoblauch. Zum Anderen hält er sich von Gemüseangelegenheiten, Säen und Ernten eigentlich konsequent fern, das ist nicht sein Metier. Und an jenem Tag wollte er eigentlich nicht einmal in den Garten kommen, sondern kam nur vorbei, um mir einen Kaffee zu bringen. Und so stand er da, im feinen Bürozwirn, bohrte Löcher in den Boden und steckte die Knoblauchzehen hinein. Schön mit Erde bedecken. Mulch drauf.
Im Garten geschehen vielerlei Wunder...