Donnerstag, 20. September 2018

Ich war dann mal weg...

Ich hab mich rar gemacht in den letzten Monaten und vor allem den letzten Wochen. Regelrecht abgetaucht. Kaum zu glauben, dass ich es geschafft habe, das Wintergemüse zu säen (wann war das eigentlich?).

Warum, ist relativ schnell erklärt:
Buddel hat eine Doktorarbeit geschrieben. Und die ist *etwas* zu lang geraten. Deshalb war es ein recht umständlicher Akt, sie zu Ende zu schreiben und einzureichen. Folglich habe ich meinen Sommer in der Bibliothek und nicht im Beet verbracht, bis der Wälzer denn endlich fertig war.
Das ist er nun. Und ich bin wieder da.

Vor diesem Post war ich außerdem im Urlaub, habe Italien, Frankreich und die heimische Saar bereist und komme - wieder zum Leben erwacht - nun wieder in Franken an.

Zuerst der Beetstatus: natürlich hatte ich eine Gießvertretung. Die durfte im Gegenzug die Ernte in den zwei Wochen mitnehmen und wurde mit französischen Importprodukten entlohnt, dafür hat sie mein Gemüse schadlos durchgebracht. Die einsame Paprika hat große Früchte getragen und die Cocozelle aka Zucchini wächst und fruchtet nach wie vor. Mehr als einmal habe ich mein Abendessen auf dem Heimweg nicht im Supermarkt, sondern im Beet zusammengesucht. Einfach toll. Inzwischen habe ich Rettich, Feldsalat und WIntersalate gesäht und hoffe, dass der herbst lange freundlich blebt, denn ich war spät dran mit der Aussaat. Ja und dann ist die Saison ja schon fast vorbei... mal sehen, ich habe ja noch ein Frühbeet zu bauen, ob das noch vor dem Winter klappt?

Im Urlaub hingegen habe ich auch einige Dinge gesehen, die mein Gärtnerinnenherz höher schlagen ließen.
In der Provence - nun ja, wer schon mal da war, weiß es - sind die Sinne ganz anders beschäftigt. In der Luft liegt der Geruch von Pinien und orangenblüte, manchmal Lavendel, und Meeresluft. Das typische Geräusch ist das Knarzen und Zirpen der Zikaden - nein, nicht die kleinen grünen Zwergzikaden, die das Blattgemüse im heimischen Garten anpieken und Pflanzensaft saugen. Im Süden sind es richtige Brummer, die an Bäumen sitzen und den ganzen Tag mit ihrem Zirpen die Mädels anzugraben versuchen. Immerhin machen sie Feierabend, sobal die Sonne untergeht.
Ein paar wundersame Flora-Eindrücke:

Nach acht Tagen ging es weiter an die Loire, wo wir uns in einem Schloss eingenistet hatten. Wie jedes anständige Schloss hat das natürlich einen Garten, der jedoch nicht mehr bewirtschaftet wird.

Die meisten sehen hier Wiese. Ich sehe einen ehemaligen Obst- und Gemüsegarten, der vorbildlich im Sinne La Quintinies in Terrassen angelegt wurde, um verschiedene Klimazonen zu schaffen. Einzig das Weinspalier an der Gartenmauer erinnert noch an die ursprüngliche Aufgabe der Anlage. Auf alten Fotos wurde mein Verdacht dann bestätigt: der Schlossbesitzer hat in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts auf den Terrassen vor allem Obstbäume in Kübeln  gehalten. Der untere Teil des Gartens war leider nicht auf den Fotos zu sehen...



Aber es ist ein magischer Ort. Mitten im französischen Niemandsland im lauschigen Berry, der Region mit dem besten Ziegenkäse der Welt (ganz ganz im Ernst), erhebt sich über einem kleinen Dörfchen diese gigantische Schlossanlage, die, obgleich saniert, dem kundigen Besucher doch noch einiges mehr aus der ehemaligen Nutzung der Domäne verrät - man muss halt mal genauer hinsehen.
Buddel im (Schloss-)Garten
Im "Vorgarten" des Schlosses stehen denn auch noch wunderbare Apfel- und Birnbäume verschiedenster Sorten, die reich tragen und köstlich schmecken.


Ein bisschen, ja ein bisschen ist es das französische Äquivalent zu meiner fränkischen Welt, wo ich ja auch im Angesicht eines alten Schlosses im Garten buddel, wenn auch nicht direkt im Schlossgarten... Der Unterschied ist der Zauber, der dort in der Luft liegt, der Esprit français, der mich wehmütig macht und mich daran erinnert, dass ich noch immer französischer bin als mir bewusst ist...
Für Buddel der perfekte Moment: exzellenter Wein zu exzellentem Käse und exzellentem Brot, dazu exzellentes Obst aus dem Schlossgarten und ein exzellenter Tischnachbar auf der phänomenalen Terrasse des Schlosses. <schmacht>

Sonntag, 5. August 2018

Früher Spätsommer

Irgendwie ist es jetzt passiert, dass ich den Juli ohne Blog-Post habe vergehen lassen. Aber ich habe tatsächlich das Gefühl, die letzten vier Wochen meines Gartens quasi *verpasst* zu haben. Obwohl ich oft dort war zum Gießen...
Eigentlich sollte ich meinen Blog umtaufen: Die Gärtnerin, die keine Zeit für einen Garten hat.

Ein bisschen Unkrautmanagement und gießen. Sonst überlasse ich alles sich selbst. Das Gros des Wintergemüses kommt erst im September ins Beet, vorher werde ich keine Zeit finden. Aber ich rechne mit einem späten Winter...

Heute war ich immerhin mit der Kamera zum Ernten und Gießen da und habe die Spätsommerstimmung eingefangen:


Roter Rosenkohl im Abendlicht

Die Ackerbohnen sind nach dem Roden einfach wieder gekommen...

Der Spanische Pfeffer in Partystimmung bei 38°...

Duwicker-Möhrchen, süß und knollig

Die Cocozelle
Unter dem Rosenkohl wachsen Kohlrabi


Die fränkischen Zwiebeln :-)

Mein einziger hitzeverträglicher Salat



Hitzeschäden am Sellerie zwischen dem Schnittlauch


 
Der Wintersalat (Treviso Radicchio)

Der Garten Anfang August
Dafür, dass sich niemand so recht kümmert, ist er ganz ertragreich. Aber die Hitze macht ihm zu schaffen. Und würde man sich etwas umfassender bemühen, hätte er sicher noch mehr Potenzial.

Ein neuer Gartenbewohner ist übrigens aufgetaucht: Morkeli. So hab ich eine kleine Kröte getauft, die sich offenbar hinter der Regentonne eingerichtet hat. Willkommen im Garten!

Freitag, 29. Juni 2018

Sommer-Vanitas

Es ist jene kurze Zeitspanne, in der der Garten in größter Fülle steht. Alles ist groß, überquellend und breitet sich schamlos aus - reinste Eitelkeit. Und doch zeigt er schon die ersten Anzeichen, dass er seinen Zenit überschritten hat.



Cocozelle. Ich sehe schon das Ragout vor mir...


Kapuzinerkresse und Feuerbohne haben sich mächtig breit gemacht...


bunter Mangold, kürzlich abgeerntet
Vogelbad vor der Bienenweide


Tondo di Chioggia

die Kohl-WG




Kaum zu glauben, dass er genauso wild und chaotisch und dennoch kultiviert gelungen ist, wie ich ihn mir letztes Jahr vorgestellt habe. Und alle fühlen sich offenbar pudelwohl, Pflanze und Tier.  Es sieht wüst aus, meine konsequente Flächenkompostierung ist dem Mitbewohner ein Greuel, weil ständig Grünschnitt zwischen den Pflanzen liegt und gammelt. Aber es funktioniert, die Erde bleibt länger feucht und der Mulch verwandelt sich in Dünger, der Kreis schließt sich immer wieder.

Zeit habe ich fast keine, der Garten kümmert sich gerade mehr oder minder um sich selbst. Aber das Gießen - das muss ja sein - wird zu sportiver Meditation. Ich beeile mich nicht, schleppe gut zwanzig Mal meine gefüllte 10l-Zinkgießkanne über die Beete. Ist ja der einzige Sport, den ich als Vollzeitpapiertiger gerade mache. Dabei kann man nicht nur wunderbar die Pflanzen beschauen und den Zustand erkunden, man kann auch herrlich seinen Gedanken nachhängen, während das Wasser aus dem Hahn in die Kanne plätschert. Der Kopf leert sich, die Seele baumelt.

Freitag, 8. Juni 2018

Über nützliche Schädlinge und Qualitätsmanagement

Es vergeht kein Tag, an dem sie mich nicht nerven, die Blattläuse. Sie hängen bedrohlich an meinen Ackerbohnen, haben den Salbei in Beschlag genommen und verfolgen mich buchstäblich bis nach Hause auf meinen (Salat-)Teller.

In meiner kurzen Mittagspause war mir heute nicht nach essen, weshalb ich unentschlossen in einem Beilagensalat in der Mensa rumgestochert habe und - Automatismus - unbewusst Blattläuse gesucht habe. Aber da waren keine. Keine einzige. Den Salat hätte ich einfach so essen können, ohne ungebetene Beilage. Eigentlich erfreulich, kam mir das doch plötzlich verdächtig vor. Es ist relativ klar, dass das nicht nur an den Putzmethoden der Großküche liegt, sondern schon auf dem Feld sämtliche Salatbesetzer vertrieben wurden. Vermutlich mit etwas, das man nicht aussprechen  und streng genommen wohl auch nicht essen kann. Deshalb vergreift sich keine Blattlaus und auch sonst nichts Lebendiges mehr an diesem *Gemüseprodukt*. Da drängt sich mir allerdings die Frage auf:

WARUM SOLL ICH EIGENTLICH AN DIE QUALITÄT MEINES ESSENS GERINGERE ANSPRÜCHE STELLEN ALS EINE   B L A T T L A U S ??? Halloooo?

Also nochmal von vorn. Umparken im Kopf. Perpektivenwechsel: Blattläuse in meinem Salat und am Gemüse im Garten sind so gesehen etwas sehr erfreuliches, nämlich ein Statement über die Qualität meiner Nahrungsmittel. Dass die Krabbler alle bei mir sitzen und nicht in den Chemietrutzburgen in der Umgebung ist zwar wirklich lästig, manchmal auch schädlich, aber sie kommen ja nicht grundlos zu mir, sondern weil es bei mir das beste Essen gibt.
Nicht, dass ich meine Schädlingsgemeinschaft jetzt heilig sprechen möchte. Ich bin heilfroh, dass der Kohlweißling den Kohlrabi bisher einfach nicht gefunden hat, da offensichtlich die reich blühenden Rosen daneben den Duft überdecken. Und, ja, ich weiß, mein Garten ist von Natur aus schneckenfrei, ich Glückliche. Aber man kann das Ganze auch mal positiv sehen, die Läuse zu Lästlingen erklären und sie als Teil des Qualitätsmanagements begreifen. Dass sie nicht Überhand nehmen, regeln ja letztlich die Nützlinge, die auch nur vorbeischauen, weil mein Garten kein Drohpotenzial hat, dafür aber ein paar Futterpflanzen extra für tierische Mitarbeiter.

Beim nächsten Mal angesichts einer Horde schwarzer Läuse an der Bohnenstange, mache ich mir also bewusst, dass es eigentlich gar nicht um die Frage geht "giftfrei oder blattlausfrei?" sondern um die Frage, wessen Speise das Gemüse letztlich wird: meine oder die der Laus? Ich denke, da bin ich langfristig der Laus dann doch strategisch überlegen...

Montag, 4. Juni 2018

Sommergarten

 ...leider im Moment kaum Zeit für den Garten oder den Blog. Aber ein paar Schnappschüsse aus dem Sommergarten in voller Pracht gehen allemal:

Mein kleiner Küchengarten
Melde, Salate, Erbsen und rechts die Cocozelle


Kohl und Doldenblütler (Möhren, Pastinaken...)

 

Dienstag, 29. Mai 2018

Stargast in Buddels Blog

Mein Arbeitgeber unterhält ja eine ansehnliche Sammlung Pflanzen, darunter eine Topfpflanze mit dem klangvollen Namen Amorphophallus titanum, oder kurz: Titanwurz.
Wie der Name schon ahnen lässt, handelt es sich nicht um ein Gewächs im klassischen Fensterbank-Format. Meistens ist die Titanwurz eine unscheinbare Knolle oder ein grünes, etwas urzeitlich aussehendes Bäumchen - in Wahrheit ist das ein einzelnes Blatt, das einfach so riesengroß ist, dass man aus unserer Perspektive den Blattstiel als Stamm wahrnimmt... Aber manchmal, alle paar Jahre, passiert etwas, was die ganze Uni in Bayreuth in helle Aufregung versetzt, wildfremde Menschen laufen dann auf dem Campus rum "Wo gäht's denn zum Bodanischen Gadden?" Alle wollen es sehen, das botanische Großereignis: die Titanwurzblüte.
Und so hingen denn schon seit Wochen die liebevollen Banner auf dem Campus "Wir erwarten bald eine Blüte der Titanwurz" und mittels Webcam konnte man täglich verfolgen, wie sie wächst. Gestern Nachmittag war es dann so weit: die Blüte entfaltete sich und "Ahhh!". Eine Schönheit. Leider stinkt sie wie verwesendes Fleisch, man kann halt nicht alles haben...
Und sie macht sich rar: nur 24h blüht sie, deshalb hab ich heute auch mal vorbei geschaut, immerhin blüht schon zum dritten Mal seit meinem Antritt in Bayreuth eine Titanwurz und nie habe ich es mal geschafft, sie zu sehen.
Die blühende Titanwurz im Größenvergleich mit einem Menschen

Groß ist sie. Unwirklich groß. Und heute hat sie gar nicht so sehr gemüffelt. Sie steht im Tropenhaus, dessen Klima nichts für schwache Gemüter ist, heute jedoch auch nicht schlimmer als draußen war. Eine halbe Stunde UrLaub um UrWald :-)










 Und weil ich gerade da war, habe ich natürlich noch einige andere wundersame Gewächse im Tropenhaus gesichtet und fotographisch festgehalten:





Wilde Banane - wilde Farbe!



Unter diesem Baum geht man etwas schneller durch...


Den ökologisch-botanischen Garten der Uni Bayreuth kann ich generell sehr empfehlen als Ausflugsziel für alle Naturinteressierten. Eine große Anlage, mit verschiedenen Klimazonen, Gewächshäusern, Waldgärten, und auch ein Nutzgarten mit Versuchsfeldern.
Bayreuth besitzt sogar zwei Titanwurze. Die zweite stand - von vielen wahrscheinlich gar nicht bemerkt - direkt neben der blühenden und ist gerade im Blattstadium:
Botanisch gesehen ist dieses 'Bäumchen' nur ein einzelnes Blatt

Nochmal ein Portrait - ist sie nicht hübsch...? 

Dienstag, 22. Mai 2018

Neues Rezept für Problemgemüse!

Unter meinen Rezepten für Gartenverlierer (siehe rechts) gibt es nun den
Fall 4: Salat schießt und wird lederig
Wenn nach anhaltender Hitze lederige, etwas zähe Lappen am langsam schießenden Salatkopf hängen, kann man daraus immer noch etwas machen, z.B. Tarte von verschiedenen grünen Blättern.

Viel Spaß beim Ausprobieren!