Samstag, 19. Januar 2019

Vom Umlegen des Schalters

Sperriger Titel, oder?
Vielleicht fällt mir später noch ein besserer ein. Aber worauf ich hinaus will: es ist wieder passiert. Genau wie letztes Jahr.
Es stellt sich bei mir im Herbst, spätestens Ende November eine Gartenmüdigkeit ein und man will nicht mehr so recht im Garten werkeln und graben, da alles verblüht ist, das meiste geerntet und das Licht kaum noch den Erdboden erreicht. Der Zyklus des Gartenjahres geht dem Ende entgegen und wie bei den Pflanzen so ist auch meine Kraft aufgebraucht und ich möchte in die Winterpause. Man mummelt sich ein und schaut von drinnen nach draußen in die dunkle, bisweilen gefrorene Welt.
Die Tage werden ja auch kürzer und warum sollte mein zivilisierter Biorhythmus darauf nicht reagieren?
Man kann es auch schlicht Unlust und Überdruss nennen, die sich nach über 9 Monaten Pflanzenaufzucht und -pflege einstellt. Man möchte mal 'was anderes sehen und tun.
Aber das erklärt nicht, was letzte Woche passiert ist. Man muss wirklich sagen, von einem Moment auf den anderen wurde bei mir ein Schalter umgelegt, von Saisonende auf Saisonanfang, von erschöpfter Unlust auf umtriebige Planungslust. Der Saatgutkatalog von Dreschflegel lag schon fast eine Woche ungeöffnet in seinem Briefumschlag auf dem Tisch. Ich brauche sowieso kein Saatgut und der Garten war so weit weg im Kopf... keinerlei Reiz.
Doch an einem Abend letzte Woche waren die Dinge plötzlich anders. Der Gedanke an den Garten löste Tatendrang aus. Woher kommt denn das so plötzlich??? Der Saatgutkatalog geriet wieder in mein Blickfeld und ich packte ihn aus - ich brauche immer noch kein Saatgut, aber ich studierte ihn emsig und kam ins Überlegen. Der Pflanzplan vom Gärtchen wird hervorgekramt und nochmal durchdacht, ein Kalender wird angelegt. Es ist Mitte Januar, aber irgendwas ist aufgewacht, was den Garten nun wieder in die Schublade "interessant" einsortiert. Faktisch hat sich nichts geändert: es ist kalt und dunkel, der Garten wüst und nichts lässt erahnen, wann die Gartensaison tatsächlich starten kann. Mich erinnert das an die Wintervögel, die schon Ende Februar, noch bei Frost, ihren Gesang auf Frühling umstellen und der zwar schon deutlich helleren, aber noch immer winterlichen Landschaft eine ganz seltsame Anmutung verleihen - als wüssten sie, dass es nicht mehr lange dauert.

Vielleicht ist es eine Art Biorhythmus, ausgelöst durch die länger werdenden Tage, der mich jetzt in die Stimmung versetzt, meinen Plan und meine Gartenzutaten zurecht zu legen, um startklar zu sein.

So hab ich mir heute auch die Zeit genommen, oben rechts eine kleine Fotostrecke durch das letzte/erste Gartenjahr zusammenzustellen - von 0 auf 100 und wieder zurück.

Es grüßt euch

Buddel  
im Garten

Freitag, 11. Januar 2019

Das erste Jahr

Die letzten Gemüse verweilen in der Erde, aber die Beete sind weitesgehend still gelegt. Das war es also - 2018, das erste Gartenjahr.

Zeit für ein Resumee.
Hui und... weniger hui im Beet:

Die Knaller-Gewächse, die den besten und schönsten Ertrag gebracht und mich fast autark gemacht haben:

Wintermöhren: ich sage nur: Das Kilo Möhre - am Stück! Die letzten Riesenmöhren werde ich wohl ernten, wenn ich die Wintermöhren fürs nächste Jahr sähe. Das war wirklich ein Premiumgemüse. Und sie hat - obwohl sie als Wintermöhre ja nicht für besonders süßes Aroma bekannt ist - den Geschmackstest gegen die gekaufte Biomöhre um Längen bestanden. Da steckt enorm Aroma-Wums drin.

Ackerbohne: trug sogar zweimal und hat in den milden Tagen des Jahreswechsels allen Ernstes nochmal angefangen zu blühen... nicht umzubringen!

Salat: vor allem im Frühling und Frühsommer reichlich vorhanden

Cocozelle: unkompliziert und schädlingsfrei

Radieschen: in allen Sorten ein Renner. Wenn man diese Radieschen gegessen hat, empfindet man die käuflichen Sorten als eindimensionale Geschmacksunverschämtheit.

Sommerrettich: lecker und tadellos. Auch der ruiniert er die Geschmacksknospen für Kommerz-Gemüse.

Knoblauch: kleine, aber sehr feine Knollen. Genau richtig für einen Knoblauchminimalverbraucher. Und heiß begehrt bis an die Saar.

Zwiebeln: ebenso klein, aber fein. Ein Teil wird in der nächsten Saison gesteckt.

Kräuter: überall gut wachsend. Zum ersten mal ist mir die vegetative Vermehrung von Rosmarin gelungen. Ansonsten hatte ich vor allem so viel Basilikum, dass ich ihn als Salat verwendet habe.

Tomaten: auf dem Balkon. Die Sorten habe ich aus bunten Biotomaten vermehrt und sie sind ein Ausbunt an Robustheit. Trotz Trockenphase während meiner zwei Wochen Urlaub, trotz fehlendem Regenschutz: kein Ernteausfall, keine Krankheiten, im Gegenteil, Tomaten bis zum 1. Advent. Schräg...

Kohlrabi, früh gesät: eine solide Sorte, die hübsch aussieht und zuverlässig wächst. Und prima schmeckt. Ich hätte mehr pflanzen sollen.

Feuerbohne: Unermüdlich bis in den November Bohnen liefernd.

Pastinak: jetzt mein Wintergemüse, alle Rüben wurden 10-20cm lang und wunderbar pastinakig schmeckend.

Mangold: ein Hingucker und so üppig, dass ich ihn nächstes Jahr sparsamer pflanzen muss. Im Moment macht es eher den Eindruck, als würde er den Winter überleben und seinen Platz an Ort und Stelle behaupten. Na dann...


Die Mittelprächtigen:
Sommermöhren: hatten ein paar Läuse, dadurch blieb manche Möhre etwas klein

Kohlrabi spät gesät: zu spät ausgesät und blieb zu klein, war aber essbar.

Erbsen: eigentlich tolle Erbsen, groß, süß und reichlich, aber zu 2/3 vom Erbsenwickler gefressen...

Gartenmelde: Zwergzikadenfraß, war optisch kein Genuss. Aber sie kam im Herbst selbstausgesät wieder, blieb aber klein.

Rote Bete: etwas bitter und klein, wahrscheinlich etwas zu eng gesät und dann ein zu trockener Sommer?

Haferwurzel: dasselbe, sie waren wohl etwas zu eng gesetzt und dadurch zwar schön und schmackhaft, aber bis auf einzelne recht dünn.

Die  Flops:
 Rosenkohl und Broccoli: Vor dem Kohlweißling erfolgreich gerettet, haben ihn die Läuse regelrecht überfallen. Und Läusepuhlen bei Kohlröschen war dann nicht so verlockend. Schade. Ansonsten ist er gut gewachsen. Nächstes Jahr kommt er unters Netz, dann wird das schon...
Der Broccoli hat mir allerdings einen Streich gespielt, ist ganz ordentlich gewachsen, hat aber keine dichte, feste Blüte ausgebildet, sondern lauter Mikrobroccolis...

Winterrettich: zu spät gesät, wurde nicht mehr groß.

Spinat: ebenso, aber da besteht ja noch Hoffnung, dass er überwintert

Die Überraschungserfolge:
Paprika: ein Überraschungserfolg mit großen, aromatischen Schoten, nachdem er nur zögerlich angefangen hatte. Paprika war der Nutznießer des Wüstensommers.

Feldsalat vom Vorjahr: hat sich im und um das Steinbeet selbst ausgesät und schon zweimal unverhofft die Salatschüssel gefüllt :-)

selbstausgesäter Salat und Melde: wer hätte denn damit gerechnet, dass der sich selbstausgesäte Salat noch kurz vor dem 1. Advent frischen Blattsalat liefert???


Und wie geht es weiter?
Man lernt ja viel aus einer Saison. Man korrigiert seine eigenen Erwartungen, der gärtnerische Hochmut kriegt abermals auf die Mütze und man erkennt, dass der Garten das Tempo und die Regeln vorgibt und nicht der Buddler.
Das nächste Gartenjahr kommt. Die Frage ist, ob es anfängt wie das letzte aufhörte? Das Ende der Gartensaison war schwierig, weil vieles jenseits des Gartenzauns seit Oktober anders kam als erwartet. Statt mehr Zeit für den Garten, blieb weniger Zeit übrig. Erst letzte Woche konnten die allerletzten Handgriffe der Wintervorbereitung gemacht werden und der Gedanke an die nächste Gartensaison verursacht das ein oder andere graue Haar. Die Nachkultur hatte darunter gelitten, dass man sich nicht richtig kümmerte. Und im Rückblick erkennt man, dass der Garten noch mehr Potenzial hätte, wenn man mehr Zeit in seine Bewirtschaftung investieren könnte.
Selbst der Saisonstart ist jetzt schon unverrückbar festgelegt: Vor dem 1. März ist im Kalender nirgends ein Schnipsel Zeit übrig, um anzusäen, was für einzelne Gemüse schon spät ist... Und gerade diese Denkweise ist ja schon das Problem: dem Garten ist mein Terminkalender wurscht, der will bewirtschaftet werden, wenn er so weit ist, nicht wenn es bei mir passt....
Wir werden sehen, was kommt. Einen Pflanzplan gibt es immerhin. Und der Wille zum Buddeln ist ungebrochen.


Weltraumsalat


https://twitter.com/Astro_Alex/status/1059082923083812865

Was soll ich sagen... ein denkmal für die Durchsetzungskraft des Lebens.


Und ein Hochgefühl für jemanden, der Biogärtnerin und Sternenguckerin zugleich ist :)

Freitag, 23. November 2018

Auch Pflanzen können Freunde werden...

... wie meine Käferbohne, die überschwenglich alles umarmte und festhielt, was in ihrer Nähe war: die Laube, den Zaun... und die Rose. Und da die warme Witterung so langanhaltend war, dass Rosen und Bohnen nicht mit dem Blühen aufhörten, blühten sie schließlich in inniger Umarmung als Bohnenrose, oder Rosenbohne:

Im Garten wurde letzte Woche offiziell auf Herbst umgestellt. Die verblühten, teilweise auch schon verkühlten Pflanzen kamen raus und wurden zu Mulch gehäckselt (<räusper> ich häcksle von Hand...) Auf die frei werdenden Beete kam der Mulch nun als Flächenkompost.

Die Tagetes blühen tapfer weiter, ansonsten wird es wirklich ruhiger im Garten und übersichtlicher:


Man stelle sich vor: der Mitbewohner hat den Knoblauch für nächstes Jahr gepflanzt! Das ist gleich mehrfach außergewöhnlich: zum Einen mag der Mitbewohner überhaupt keinen Knoblauch. Zum Anderen hält er sich von Gemüseangelegenheiten, Säen und Ernten eigentlich konsequent fern, das ist nicht sein Metier. Und an jenem Tag wollte er eigentlich nicht einmal in den Garten kommen, sondern kam nur vorbei, um mir einen Kaffee zu bringen. Und so stand er da, im feinen Bürozwirn, bohrte Löcher in den Boden und steckte die Knoblauchzehen hinein. Schön mit Erde bedecken. Mulch drauf.
Im Garten geschehen vielerlei Wunder...

Freitag, 26. Oktober 2018

Herbstgarten, Riesengemüse und Apfelkummer

Liebe Freunde des gepflegten Buddelns und Grabens,

jetzt ist schon wieder ein Monat vergangen und ich weiß nicht, ob es an den erneuten *Schreibtisch-Gebirgen* liegt oder an aufkommender Gartenmüdigkeit - auch die Gärtnerin hat einen Bio-Jahresrhythmus - dass ich schon wieder so lange nicht auf Sendung war.

Die Kurzfassung: die Gartentage werden etwas seltener und bestehen mehrheitlich aus Aufräumarbeiten, jäten, roden, Verwelktes und Verblühtes einsammeln, damit es nicht zu herbstlich-trostlos aussieht.
Aaaaaaaber: die kluge Gärtnerin hat ja auch Gemüse für die kalte Zeit gesät und das hat jetzt langsam Erntezeit.
Zum Einen gibt es da die Unerschöpflichen: ich habe noch vor einer Woche reife Tomaten vom Strauch gepflückt, heute die wahrscheinlich vorletzte Cocozelle geerntet und letzte Woche die sicherlich nicht letzte Portion Käferbohnen. Beeindruckenderweise sind zwei Ackerbohnen SCHON WIEDER, zum dritten Male dieses Jahr, nachgewachsen und erlauben sich sogar zu blühen. Der Frost wird ihnen das Fruchten aber wohl vermiesen. Der Mangold hat ein bisschen Mehltau und sieht deshalb nicht mehr so einladend aus, dafür hat sich der Blattsalat unbemerkt selbst ausgesäht und erfreut sich einer zweiten Saison - mehr oder weniger überall im Beet.

Ein kurzer Rückblick in den September:
Eigentlich bin ich ja kein Freund von Exoten... aber der Mitbewohner schleppte eines Tages Lulo ins Haus und... nun ja... dann muss man sich kümmern. Lulo hat erstmal Spinnmilben eingeschleppt, aber das haben wir inzwischen überstanden. Nun überwintert sie im Wohnzimmer und sie macht schon jetzt, im Babystadium (60cm), den Eindruck als würde sie uns ruckzuck über den Kopf wachsen.

Letzten Samstag geschah dann doch noch etwas im Garten: das späte Frühbeet, oder frühe Spätbeet, wurde endlich aufgestellt:
Etwas ratlos hab ich jetzt einfach Feldsalat eingesät. Der wächst inzwischen sowieso wild überall im Garten, was das Salat ernten gerade ein wenig wie Ostereier suchen aussehen lässt, weil man die kleinen Büschel echt suchen muss... in jedem Fall ist das Spätbeet ein Hingucker, in *fränkischem* rot, hilft hoffentlich beim Überwintern einiger Kräuter und macht im Frühjahr dann den zeitigen Start möglich. Daumen hoch.

Ein Blick auf die Ernte am Samstag:
Jede Menge Käferbohnen, zwei Pastinaken, zwei Haferwurzeln (mal probeweise) und, tja, eine Monstermöhre. Die gelben französischen Wintermöhren sind mir fast unheimlich. Im März gesät, sind sie jetzt langsam erntereif und echte Kolosse, die sich oft gar nicht mehr am Kraut rausziehen lassen, sondern regelrecht ausgegraben und aus dem Boden gestemmt werden müssen. Diese hier oben im Bild wurde heute nochmal getoppt von einem Kawenzmann:

Die verdient sich den Namen *gelbe Rübe* wirklich. Man könnte meinen, dass sie wie hochgezüchtete, überdüngte Leistungsmöhren schmecken. Weit gefehlt. Gemütlich gewachsen sind sie sehr möhrig im Geschmack, aber nicht besonders süß, fast ein bisschen herb für Rohkostmöhren, aber hervorragend als gekochtes oder gestampftes Gemüse. Und man muss nur eine einzige ernten für einen 2-Personen-Haushalt...

Im Garten sieht es Ende Oktober so aus:

Zum Schluss noch eine Schmähschrift auf einige Gartenbesitzer im Dorf: sie haben die wunderbarsten, reich tragenden Obstbäume und Nusssträucher im Garten, können sich aber nicht aufraffen, die Ernte einzufahren. Tag für Tag gehe ich auf dem Weg zur Arbeit an Tonnen rot-goldener Äpfel vorbei, die schwer an den Bäumen hängen und hängen und hängen... bis sie nun zunehmend auf dem Boden verrotten. Ich könnte platzen angesichts so viel Eitelkeit und Undank. Dieselben Gartenbesitzer werden im Winter die importierten, polierten Äpfel im Supermarkt kaufen. Unlängst brachte eine Kollegin ins Institut einen großen Eimer Äpfel aus ihrem Garten - endlich jemand, der vernünftig ist! - und daran labe ich mich nun täglich, habe immer einen *Schnüffelapfel* auf dem Schreibtisch, an dem ich ab und zu rieche, während die Gedanken sich durch die Gehirnwindungen schieben. Und irgendwann, ach, beiß ich rein! Welch ein Fest! Dieses Jahr ist das Obst so süß!
Wenn ich einen der Erntefaulpelze mal in seinem Garten erwischen würde, ich würde glatt fragen, ob ich mal mit einem Sack vorbeikommen darf. Und ich gehe jede Wette, dass man mir das Obst teuer verkaufen will. Aber selbst den Arm ausstrecken: och nö, lieber nicht.
Mir stößt diese Konsumdekadenz jeden Tag sehr bitter auf. Was auf den Gehweg fällt, ob Apfel, ob Nuss, und noch halbwegs ansehnlich ist, stecke ich schamlos ein. Mir schmecken die gemopsten Äpfel und Nüsse jedenfalls ganz wunderbar im Müsli...






Donnerstag, 20. September 2018

Ich war dann mal weg...

Ich hab mich rar gemacht in den letzten Monaten und vor allem den letzten Wochen. Regelrecht abgetaucht. Kaum zu glauben, dass ich es geschafft habe, das Wintergemüse zu säen (wann war das eigentlich?).

Warum, ist relativ schnell erklärt:
Buddel hat eine Doktorarbeit geschrieben. Und die ist *etwas* zu lang geraten. Deshalb war es ein recht umständlicher Akt, sie zu Ende zu schreiben und einzureichen. Folglich habe ich meinen Sommer in der Bibliothek und nicht im Beet verbracht, bis der Wälzer denn endlich fertig war.
Das ist er nun. Und ich bin wieder da.

Vor diesem Post war ich außerdem im Urlaub, habe Italien, Frankreich und die heimische Saar bereist und komme - wieder zum Leben erwacht - nun wieder in Franken an.

Zuerst der Beetstatus: natürlich hatte ich eine Gießvertretung. Die durfte im Gegenzug die Ernte in den zwei Wochen mitnehmen und wurde mit französischen Importprodukten entlohnt, dafür hat sie mein Gemüse schadlos durchgebracht. Die einsame Paprika hat große Früchte getragen und die Cocozelle aka Zucchini wächst und fruchtet nach wie vor. Mehr als einmal habe ich mein Abendessen auf dem Heimweg nicht im Supermarkt, sondern im Beet zusammengesucht. Einfach toll. Inzwischen habe ich Rettich, Feldsalat und WIntersalate gesäht und hoffe, dass der herbst lange freundlich blebt, denn ich war spät dran mit der Aussaat. Ja und dann ist die Saison ja schon fast vorbei... mal sehen, ich habe ja noch ein Frühbeet zu bauen, ob das noch vor dem Winter klappt?

Im Urlaub hingegen habe ich auch einige Dinge gesehen, die mein Gärtnerinnenherz höher schlagen ließen.
In der Provence - nun ja, wer schon mal da war, weiß es - sind die Sinne ganz anders beschäftigt. In der Luft liegt der Geruch von Pinien und orangenblüte, manchmal Lavendel, und Meeresluft. Das typische Geräusch ist das Knarzen und Zirpen der Zikaden - nein, nicht die kleinen grünen Zwergzikaden, die das Blattgemüse im heimischen Garten anpieken und Pflanzensaft saugen. Im Süden sind es richtige Brummer, die an Bäumen sitzen und den ganzen Tag mit ihrem Zirpen die Mädels anzugraben versuchen. Immerhin machen sie Feierabend, sobal die Sonne untergeht.
Ein paar wundersame Flora-Eindrücke:

Nach acht Tagen ging es weiter an die Loire, wo wir uns in einem Schloss eingenistet hatten. Wie jedes anständige Schloss hat das natürlich einen Garten, der jedoch nicht mehr bewirtschaftet wird.

Die meisten sehen hier Wiese. Ich sehe einen ehemaligen Obst- und Gemüsegarten, der vorbildlich im Sinne La Quintinies in Terrassen angelegt wurde, um verschiedene Klimazonen zu schaffen. Einzig das Weinspalier an der Gartenmauer erinnert noch an die ursprüngliche Aufgabe der Anlage. Auf alten Fotos wurde mein Verdacht dann bestätigt: der Schlossbesitzer hat in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts auf den Terrassen vor allem Obstbäume in Kübeln  gehalten. Der untere Teil des Gartens war leider nicht auf den Fotos zu sehen...



Aber es ist ein magischer Ort. Mitten im französischen Niemandsland im lauschigen Berry, der Region mit dem besten Ziegenkäse der Welt (ganz ganz im Ernst), erhebt sich über einem kleinen Dörfchen diese gigantische Schlossanlage, die, obgleich saniert, dem kundigen Besucher doch noch einiges mehr aus der ehemaligen Nutzung der Domäne verrät - man muss halt mal genauer hinsehen.
Buddel im (Schloss-)Garten
Im "Vorgarten" des Schlosses stehen denn auch noch wunderbare Apfel- und Birnbäume verschiedenster Sorten, die reich tragen und köstlich schmecken.


Ein bisschen, ja ein bisschen ist es das französische Äquivalent zu meiner fränkischen Welt, wo ich ja auch im Angesicht eines alten Schlosses im Garten buddel, wenn auch nicht direkt im Schlossgarten... Der Unterschied ist der Zauber, der dort in der Luft liegt, der Esprit français, der mich wehmütig macht und mich daran erinnert, dass ich noch immer französischer bin als mir bewusst ist...
Für Buddel der perfekte Moment: exzellenter Wein zu exzellentem Käse und exzellentem Brot, dazu exzellentes Obst aus dem Schlossgarten und ein exzellenter Tischnachbar auf der phänomenalen Terrasse des Schlosses. <schmacht>

Sonntag, 5. August 2018

Früher Spätsommer

Irgendwie ist es jetzt passiert, dass ich den Juli ohne Blog-Post habe vergehen lassen. Aber ich habe tatsächlich das Gefühl, die letzten vier Wochen meines Gartens quasi *verpasst* zu haben. Obwohl ich oft dort war zum Gießen...
Eigentlich sollte ich meinen Blog umtaufen: Die Gärtnerin, die keine Zeit für einen Garten hat.

Ein bisschen Unkrautmanagement und gießen. Sonst überlasse ich alles sich selbst. Das Gros des Wintergemüses kommt erst im September ins Beet, vorher werde ich keine Zeit finden. Aber ich rechne mit einem späten Winter...

Heute war ich immerhin mit der Kamera zum Ernten und Gießen da und habe die Spätsommerstimmung eingefangen:


Roter Rosenkohl im Abendlicht

Die Ackerbohnen sind nach dem Roden einfach wieder gekommen...

Der Spanische Pfeffer in Partystimmung bei 38°...

Duwicker-Möhrchen, süß und knollig

Die Cocozelle
Unter dem Rosenkohl wachsen Kohlrabi


Die fränkischen Zwiebeln :-)

Mein einziger hitzeverträglicher Salat



Hitzeschäden am Sellerie zwischen dem Schnittlauch


 
Der Wintersalat (Treviso Radicchio)

Der Garten Anfang August
Dafür, dass sich niemand so recht kümmert, ist er ganz ertragreich. Aber die Hitze macht ihm zu schaffen. Und würde man sich etwas umfassender bemühen, hätte er sicher noch mehr Potenzial.

Ein neuer Gartenbewohner ist übrigens aufgetaucht: Morkeli. So hab ich eine kleine Kröte getauft, die sich offenbar hinter der Regentonne eingerichtet hat. Willkommen im Garten!