Donnerstag, 20. Juli 2017

Hauruck

Ein anderer Titel fällt mir zu diesem Post nicht ein.
Für drei Tage kamen die Gartenhelfer, um dem Werden des zukünftigen Gemüsegartens auf die Sprünge zu helfen. Und in der Tat haben sie kaum einen Halm stehen lassen. Aber fangen wir vorne an: Der Plan war, die Laube herzurichten, den Bewuchs des Gemüsebeetes abzumähen, die großen Rosenbüsche zu evakuieren und das Baumaterial für das Hügelbeet zusammen zu tragen - also eine größere Menge Feldsteine zu transportieren. Kurzum: all das, was ich alleine nicht bewältigen kann. Dieser Plan wurde erfüllt, alles prima. Dazu muss ich sagen, dass ich selbst leider nur sporadisch im Garten mithelfen konnte mangels freier Zeit und so schoss die Gartenaktion in Eigendynamik etwas über das Ziel hinaus:
Aus dem bepflanzten Stauden- und Zierbeet wurde auch gleich die gesamte Mulch- und Rotteschicht runtergekratzt (sieht ja sonst so unordentlich aus...) und das potentielle Mulch- und Kompostmaterial wurde entsorgt. Zurück blieb jede Menge nackte Erde zwischen einsam sitzenden Pflanzen und meine Trauer um das kleine funktionierende Ökosystem aus Zierpflanze, Wildkraut, Moosen und Bodenbewohnern in meinem Garten.
Aber bleiben wir beim positiven Blick auf die Dinge: das Gemüsebeet ist komplett bewuchsfrei, gelockert und vorbereitet (sogar umgegraben). Nur noch Wege anlegen und es kann losgehen. Auf diese Weise kann ich eine Herbst/Winterkultur versuchen: Herbstrettich, Herbstrübe, Feldsalat und Spinat. Das hätte ich im April noch nicht für möglich gehalten.


Vielleicht geht es nicht anders als im Hauruckverfahren. Vielleicht bin ich zu sanftmütig als Gärtnerin und tat mich deshalb so schwer, diese Radikalkur für meinen Garten hinzunehmen. Für den Augenblick stand ich jedenfalls etwas ratlos vor meinem rasierten Acker, der zum Schluss noch mit einem Unkrautvlies bekleidet wurde.
Die meisten Menschen sehnen sich nach Ordnung und Überblick, deshalb lieben sie getrimmte, geputzte Gärten in Reih und Glied, der Triumph über die Natur - auch die Passanten waren begeistert. Ich sehne mich nach perfekter Harmonie und Ausgewogenheit, nach optimalem Zusammenspiel von Kultur und Natur.

Inzwischen haben sich die Nerven etwas beruhigt. Hier und da sprießt der Gundermann und ein bisschen Klee und bedecken den Boden. Die umgesiedelten Pflanzen erholen sich vom Stress und haben es wahrscheinlich alle geschafft. Ich konnte mir indes überlegen, welche Pflanzen die leeren Plätze in der Zierrabatte einnehmen können...

Was sonst noch passiert ist während der Gartenaktion:
Das Hügelbeet wurde aufgeschichtet. Aus großen und kleinen Feldsteinen aus der Gegend habe ich ein 30cm hohes Beet zusammengepuzzelt, das farblich perfekt zum Haustein der umstehenden Häuser und des Schlosses passt. Das war mir wichtig. Aufgefüllt haben wir es erstmal mit Laub und Gehölzschnitt.

Die Monsterrose habe ich nach dem Verblühen beherzt zurückgeschnitten, so dass sie jetzt wieder als zwei Meter hoher Strauch alleine stehen kann und der völlig ruinierte Rosenbogen weg konnte.

Der etwas kümmerliche Rhododendron wurde aus seinem eingerabenen Topf befreit und in ein mit saurer Erde aufgefülltes Pflanzloch gesetzt. Wollen wir hoffen, dass es ihm gefällt :-)

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