Freitag, 26. Oktober 2018

Herbstgarten, Riesengemüse und Apfelkummer

Liebe Freunde des gepflegten Buddelns und Grabens,

jetzt ist schon wieder ein Monat vergangen und ich weiß nicht, ob es an den erneuten *Schreibtisch-Gebirgen* liegt oder an aufkommender Gartenmüdigkeit - auch die Gärtnerin hat einen Bio-Jahresrhythmus - dass ich schon wieder so lange nicht auf Sendung war.

Die Kurzfassung: die Gartentage werden etwas seltener und bestehen mehrheitlich aus Aufräumarbeiten, jäten, roden, Verwelktes und Verblühtes einsammeln, damit es nicht zu herbstlich-trostlos aussieht.
Aaaaaaaber: die kluge Gärtnerin hat ja auch Gemüse für die kalte Zeit gesät und das hat jetzt langsam Erntezeit.
Zum Einen gibt es da die Unerschöpflichen: ich habe noch vor einer Woche reife Tomaten vom Strauch gepflückt, heute die wahrscheinlich vorletzte Cocozelle geerntet und letzte Woche die sicherlich nicht letzte Portion Käferbohnen. Beeindruckenderweise sind zwei Ackerbohnen SCHON WIEDER, zum dritten Male dieses Jahr, nachgewachsen und erlauben sich sogar zu blühen. Der Frost wird ihnen das Fruchten aber wohl vermiesen. Der Mangold hat ein bisschen Mehltau und sieht deshalb nicht mehr so einladend aus, dafür hat sich der Blattsalat unbemerkt selbst ausgesäht und erfreut sich einer zweiten Saison - mehr oder weniger überall im Beet.

Ein kurzer Rückblick in den September:
Eigentlich bin ich ja kein Freund von Exoten... aber der Mitbewohner schleppte eines Tages Lulo ins Haus und... nun ja... dann muss man sich kümmern. Lulo hat erstmal Spinnmilben eingeschleppt, aber das haben wir inzwischen überstanden. Nun überwintert sie im Wohnzimmer und sie macht schon jetzt, im Babystadium (60cm), den Eindruck als würde sie uns ruckzuck über den Kopf wachsen.

Letzten Samstag geschah dann doch noch etwas im Garten: das späte Frühbeet, oder frühe Spätbeet, wurde endlich aufgestellt:
Etwas ratlos hab ich jetzt einfach Feldsalat eingesät. Der wächst inzwischen sowieso wild überall im Garten, was das Salat ernten gerade ein wenig wie Ostereier suchen aussehen lässt, weil man die kleinen Büschel echt suchen muss... in jedem Fall ist das Spätbeet ein Hingucker, in *fränkischem* rot, hilft hoffentlich beim Überwintern einiger Kräuter und macht im Frühjahr dann den zeitigen Start möglich. Daumen hoch.

Ein Blick auf die Ernte am Samstag:
Jede Menge Käferbohnen, zwei Pastinaken, zwei Haferwurzeln (mal probeweise) und, tja, eine Monstermöhre. Die gelben französischen Wintermöhren sind mir fast unheimlich. Im März gesät, sind sie jetzt langsam erntereif und echte Kolosse, die sich oft gar nicht mehr am Kraut rausziehen lassen, sondern regelrecht ausgegraben und aus dem Boden gestemmt werden müssen. Diese hier oben im Bild wurde heute nochmal getoppt von einem Kawenzmann:

Die verdient sich den Namen *gelbe Rübe* wirklich. Man könnte meinen, dass sie wie hochgezüchtete, überdüngte Leistungsmöhren schmecken. Weit gefehlt. Gemütlich gewachsen sind sie sehr möhrig im Geschmack, aber nicht besonders süß, fast ein bisschen herb für Rohkostmöhren, aber hervorragend als gekochtes oder gestampftes Gemüse. Und man muss nur eine einzige ernten für einen 2-Personen-Haushalt...

Im Garten sieht es Ende Oktober so aus:

Zum Schluss noch eine Schmähschrift auf einige Gartenbesitzer im Dorf: sie haben die wunderbarsten, reich tragenden Obstbäume und Nusssträucher im Garten, können sich aber nicht aufraffen, die Ernte einzufahren. Tag für Tag gehe ich auf dem Weg zur Arbeit an Tonnen rot-goldener Äpfel vorbei, die schwer an den Bäumen hängen und hängen und hängen... bis sie nun zunehmend auf dem Boden verrotten. Ich könnte platzen angesichts so viel Eitelkeit und Undank. Dieselben Gartenbesitzer werden im Winter die importierten, polierten Äpfel im Supermarkt kaufen. Unlängst brachte eine Kollegin ins Institut einen großen Eimer Äpfel aus ihrem Garten - endlich jemand, der vernünftig ist! - und daran labe ich mich nun täglich, habe immer einen *Schnüffelapfel* auf dem Schreibtisch, an dem ich ab und zu rieche, während die Gedanken sich durch die Gehirnwindungen schieben. Und irgendwann, ach, beiß ich rein! Welch ein Fest! Dieses Jahr ist das Obst so süß!
Wenn ich einen der Erntefaulpelze mal in seinem Garten erwischen würde, ich würde glatt fragen, ob ich mal mit einem Sack vorbeikommen darf. Und ich gehe jede Wette, dass man mir das Obst teuer verkaufen will. Aber selbst den Arm ausstrecken: och nö, lieber nicht.
Mir stößt diese Konsumdekadenz jeden Tag sehr bitter auf. Was auf den Gehweg fällt, ob Apfel, ob Nuss, und noch halbwegs ansehnlich ist, stecke ich schamlos ein. Mir schmecken die gemopsten Äpfel und Nüsse jedenfalls ganz wunderbar im Müsli...