ALTE SORTEN

Vor allem Biogärtner*innen kennen das Thema: der Trend zu und die Diskussion um alte Gemüsesorten: was sie modernen vielleicht voraus haben und wie man sie findet.

Was früher in den Küchengärten diesseits der Alpen heimisch war, wodurch sich die Sorten von heutigen wohl unterschieden und letztlich ein paar Fakten um die Geschichte des Gewächses möchte ich hier erläutern, indem ich einen Streifzug durch Gartenbücher und Sortenverzeichnisse der vergangenen Jahrhunderte unternehme.

Den Anfang macht

DIE GELBE RÜBE, 
auch Möhre Daucus carota

Sie gehört wirklich zu den Urgesteinen in den Küchengärten diesseits der Alpen, obwohl ihre ursprüngliche Heimat im Nahen Osten lag.
Die alte Bezeichnung als gelbe Rübe lässt bereits erahnen, dass die Karotte nicht immer orange war. Schon in der Antike im Alten Rom kannte man die Pflanze grundsätzlich in ihrer Wildform, nutzte sie jedoch eher als Arzneipflanze. Die älteste Abbildung des Gemüses, die sogar unserer heutigen Möhre erstaunlich ähnlich sieht, ist im sogenannten "Wiener Dioskurides", einem handschriftlichen medizinischen Kompendium des Arztes Dioskurides in griechischer Sprache aus dem Jahre 512, das auch ein umfangreiches bebildertes Herbarium enthält. Sie ist kräftig orange und hat starke Seitenwurzeln (ja, genau, die Abbildung hier oben links). Wann sie von ihrer Wildform zu einer echten Kulturpflanze und durch Züchtung bearbeitet  wurde, lässt sich nicht sicher sagen. Auch wird sie bis in die frühe Neuzeit in der Literatur nicht eindeutig von der Pastinake unterschieden (so beispielsweise bei Hildegard von Bingen). Im 17. Jh. findet man die gelbe Rübe häufig gemeinsam mit der Pastinake erwähnt (Müller 1679, S.169), was die botanische Nähe und ähnliche Anbautradition noch immer erkennen lässt. Auch Johann Sigismund Elssholtz erwähnt die Möhre (Elssholtz 1666, S. 140) und ordnet sie als Verwandte der Pastinake ein (unter dem Namen Pastinaca tenuifolia). Er beschreibt Varianten in gelb, weiß, schwarz und schwarzrot, nennt die gelben jedoch als die geschmacklich feinsten und am weitesten verbreiteten Möhren, wohingegen die roten weniger bekannt und die weißen qualitativ schlechter seien. Als Aussaattermin gibt er März an, erklärt aber auch eine Winterkultur, die im Herbst auf ein gedüngtes Beet gesät wird und deren Sämlinge überwintert werden, so dass die ersten jungen Möhren ab März geerntet werden können. Elssholtz beschreibt auch gerne die Verwendung der Gemüse in der Küche. Für die Möhre schlägt er neben der Rohkost eine in Butter geschwenkte Zubereitung mit Zwiebeln, Salz und Ingwer vor, sowie das scheibenweise in Backteig Wenden und Ausbacken (das haben wir übrigens mal ausprobiert). Heinrich Hessens nennt die Möhre im Kapitel der Wurzelgemüse (Hessens 1706, S. 191) und empfiehlt sich als Nachfolgekultur auf dem vormaligen Kohlbeet. Von den gelben Rüben getrennt erklärt er die „Caroten/ oder holländischen rothen Rüben“ (S. 192) und nennt damit die roten („Blutroth“) als typisch holländische Sorte. Johann Jacob Walters beschreibt für seine Gärten in Schwaben abermals die „gelbe Rübe“ (Walters 1792, S. 406) und nennt fünf Varianten: die frühe rötliche Karotte, die frühe gelbe kurze, die goldgelbe Karotte, die blutrote Karotte und die lange blassgelbe oder gemeine Karotte. Die blutrote Sorte beurteilt auch er nachteilig, da sie beim Kochen den Sud rot verfärbt. Die gelbe gemeine Karotte wird hingegen auch im Schwarzwald (also in rauerem Klima) häufig angebaut.
Wenn auch die Möhre im Dioskurides orange ist, so war diesseits der Alpen die gelbe Möhre die übliche Sorte, nicht zuletzt, weil sie robust im Anbau war und gut lagerfähig. Die heute gerne als syrische oder türkische Möhrensorte angebotene lila oder dunkelrote Möhre, war in früheren Jahrhunderten weit weniger exotisch und weit weniger geschätzt.


In Buddels Garten wachsen vor allem zwei Karottensorten: Die Duwicker-Möhre, eine alte kleine und kreiselförmige Frühmöhre aus dem 19. Jahrhundert und die  Jaune du Doubs („Gelbe aus dem Doubs“): Eine französische Karottensorte, die noch die ursprüngliche gelbe Farbe hat. Die Region Doubs liegt an der französischen Grenze zur Schweiz, bereits im Bergland. Die Karotte ist demnach an ein kühleres Klima angepasst und wächst langsam. Sie lässt sich gut über den Winter lagern – was sie für die Bewohner der Gebirgsregion Doubs zu einem wichtigen Vorratsgemüse machte und die Beschreibungen in den alten Gartenbüchern bestätigt.
In unserem Gärtlein wurde sie letztes Jahr zur Super-Möhre, mit Rüben von bis zu 750g, die trotzdem schmackhaft waren.











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