Freitag, 11. Januar 2019

Das erste Jahr

Die letzten Gemüse verweilen in der Erde, aber die Beete sind weitesgehend still gelegt. Das war es also - 2018, das erste Gartenjahr.

Zeit für ein Resumee.
Hui und... weniger hui im Beet:

Die Knaller-Gewächse, die den besten und schönsten Ertrag gebracht und mich fast autark gemacht haben:

Wintermöhren: ich sage nur: Das Kilo Möhre - am Stück! Die letzten Riesenmöhren werde ich wohl ernten, wenn ich die Wintermöhren fürs nächste Jahr sähe. Das war wirklich ein Premiumgemüse. Und sie hat - obwohl sie als Wintermöhre ja nicht für besonders süßes Aroma bekannt ist - den Geschmackstest gegen die gekaufte Biomöhre um Längen bestanden. Da steckt enorm Aroma-Wums drin.

Ackerbohne: trug sogar zweimal und hat in den milden Tagen des Jahreswechsels allen Ernstes nochmal angefangen zu blühen... nicht umzubringen!

Salat: vor allem im Frühling und Frühsommer reichlich vorhanden

Cocozelle: unkompliziert und schädlingsfrei

Radieschen: in allen Sorten ein Renner. Wenn man diese Radieschen gegessen hat, empfindet man die käuflichen Sorten als eindimensionale Geschmacksunverschämtheit.

Sommerrettich: lecker und tadellos. Auch der ruiniert er die Geschmacksknospen für Kommerz-Gemüse.

Knoblauch: kleine, aber sehr feine Knollen. Genau richtig für einen Knoblauchminimalverbraucher. Und heiß begehrt bis an die Saar.

Zwiebeln: ebenso klein, aber fein. Ein Teil wird in der nächsten Saison gesteckt.

Kräuter: überall gut wachsend. Zum ersten mal ist mir die vegetative Vermehrung von Rosmarin gelungen. Ansonsten hatte ich vor allem so viel Basilikum, dass ich ihn als Salat verwendet habe.

Tomaten: auf dem Balkon. Die Sorten habe ich aus bunten Biotomaten vermehrt und sie sind ein Ausbunt an Robustheit. Trotz Trockenphase während meiner zwei Wochen Urlaub, trotz fehlendem Regenschutz: kein Ernteausfall, keine Krankheiten, im Gegenteil, Tomaten bis zum 1. Advent. Schräg...

Kohlrabi, früh gesät: eine solide Sorte, die hübsch aussieht und zuverlässig wächst. Und prima schmeckt. Ich hätte mehr pflanzen sollen.

Feuerbohne: Unermüdlich bis in den November Bohnen liefernd.

Pastinak: jetzt mein Wintergemüse, alle Rüben wurden 10-20cm lang und wunderbar pastinakig schmeckend.

Mangold: ein Hingucker und so üppig, dass ich ihn nächstes Jahr sparsamer pflanzen muss. Im Moment macht es eher den Eindruck, als würde er den Winter überleben und seinen Platz an Ort und Stelle behaupten. Na dann...


Die Mittelprächtigen:
Sommermöhren: hatten ein paar Läuse, dadurch blieb manche Möhre etwas klein

Kohlrabi spät gesät: zu spät ausgesät und blieb zu klein, war aber essbar.

Erbsen: eigentlich tolle Erbsen, groß, süß und reichlich, aber zu 2/3 vom Erbsenwickler gefressen...

Gartenmelde: Zwergzikadenfraß, war optisch kein Genuss. Aber sie kam im Herbst selbstausgesät wieder, blieb aber klein.

Rote Bete: etwas bitter und klein, wahrscheinlich etwas zu eng gesät und dann ein zu trockener Sommer?

Haferwurzel: dasselbe, sie waren wohl etwas zu eng gesetzt und dadurch zwar schön und schmackhaft, aber bis auf einzelne recht dünn.

Die  Flops:
 Rosenkohl und Broccoli: Vor dem Kohlweißling erfolgreich gerettet, haben ihn die Läuse regelrecht überfallen. Und Läusepuhlen bei Kohlröschen war dann nicht so verlockend. Schade. Ansonsten ist er gut gewachsen. Nächstes Jahr kommt er unters Netz, dann wird das schon...
Der Broccoli hat mir allerdings einen Streich gespielt, ist ganz ordentlich gewachsen, hat aber keine dichte, feste Blüte ausgebildet, sondern lauter Mikrobroccolis...

Winterrettich: zu spät gesät, wurde nicht mehr groß.

Spinat: ebenso, aber da besteht ja noch Hoffnung, dass er überwintert

Die Überraschungserfolge:
Paprika: ein Überraschungserfolg mit großen, aromatischen Schoten, nachdem er nur zögerlich angefangen hatte. Paprika war der Nutznießer des Wüstensommers.

Feldsalat vom Vorjahr: hat sich im und um das Steinbeet selbst ausgesät und schon zweimal unverhofft die Salatschüssel gefüllt :-)

selbstausgesäter Salat und Melde: wer hätte denn damit gerechnet, dass der sich selbstausgesäte Salat noch kurz vor dem 1. Advent frischen Blattsalat liefert???


Und wie geht es weiter?
Man lernt ja viel aus einer Saison. Man korrigiert seine eigenen Erwartungen, der gärtnerische Hochmut kriegt abermals auf die Mütze und man erkennt, dass der Garten das Tempo und die Regeln vorgibt und nicht der Buddler.
Das nächste Gartenjahr kommt. Die Frage ist, ob es anfängt wie das letzte aufhörte? Das Ende der Gartensaison war schwierig, weil vieles jenseits des Gartenzauns seit Oktober anders kam als erwartet. Statt mehr Zeit für den Garten, blieb weniger Zeit übrig. Erst letzte Woche konnten die allerletzten Handgriffe der Wintervorbereitung gemacht werden und der Gedanke an die nächste Gartensaison verursacht das ein oder andere graue Haar. Die Nachkultur hatte darunter gelitten, dass man sich nicht richtig kümmerte. Und im Rückblick erkennt man, dass der Garten noch mehr Potenzial hätte, wenn man mehr Zeit in seine Bewirtschaftung investieren könnte.
Selbst der Saisonstart ist jetzt schon unverrückbar festgelegt: Vor dem 1. März ist im Kalender nirgends ein Schnipsel Zeit übrig, um anzusäen, was für einzelne Gemüse schon spät ist... Und gerade diese Denkweise ist ja schon das Problem: dem Garten ist mein Terminkalender wurscht, der will bewirtschaftet werden, wenn er so weit ist, nicht wenn es bei mir passt....
Wir werden sehen, was kommt. Einen Pflanzplan gibt es immerhin. Und der Wille zum Buddeln ist ungebrochen.


1 Kommentar:

  1. oh ja das kenne ich, freie Zeit im Kalender für den Garten finden. Wenn du nicht, wie ich als Hobby und Anspoorn hast, die möglichst rund ums Jahr mit Obst und Gemüse selbst zu versorgen, dann beginnst du eben im März mit dem Gemüse, das dann gerade aktuell ist in der Aussaatzeit. Es gibt ja so viel Auswahl für jeden Aussaatzeitpunkt. Dann gibt es eben keine Gemüse mit Aussaat vor März. Lieber weniger und du hast einen Garten, der auch Spass macht, als alles und du hast nur Stress mit dem Garten. Ist nicht immer einfach, wenn einen der Ehrgeiz packt, kenne das, aber man sollte es sich immer wieder bewußt machen.

    Auf ein tolles Gartenjahr 2019 mit dennoch auch Zeit für den Garten. Liebe Grüße, der Achim

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