Posts

Der Garten und ich: das erste Jahr

Ein Jahr ist nun ins Land gezogen, ein Jahr wollte ich mir geben, um aus der Wildnis einen veritablen Garten zu machen. Man soll sich nicht selbst loben, aber ich glaube, es ist geglückt. Es IST ein Garten. Und ein Hort des Friedens. Jeder fühlt sich wohl, Mensch und Tier. Und Pflanze natürlich. Der Garten zeigt sich erkenntlich für die Pflege, für die vielen Gedanken, die ich mir um ihn gemacht habe, die vielen Stunden, die ich ihm gewidmet habe. Er zeigt es, indem er dieses Jahr sichtlich erholt aussieht. Natürlich, er funktionierte als Ökosystem auch ohne mich. Aber nun ist es ein kultiviertes Stück Land UND ein funktionierendes Ökosystem. Meine Hand griff manchmal ordnend und regulierend ein und schuf für die verschiedenen Pflanzen angemessen Platz, die kleinen und die großen, die Kulturpflanzen und die Unkräuter. Fast alle Pflanzen aus dem alten Bestand sehen dieses Jahr deutlich besser aus als letztes Jahr, als sie nicht nur durch die Radikalkur vom letzten Sommer ziemlich gesc...

Ganz oder gar nicht? Oder halb?? Der Kampf mit dem Plastik...

Bild
Wenn ich über dieses Thema nachdenke, entweicht mir jedesmal ein tiefer, ratloser Seufzer... Ihr wisst, mein Gärtchen schreibt sich auf die Fahne, ein historisch informiertes zu sein, dessen Bepflanzung und Bewirtschaftung am Modell anno dazumal orientiert ist. Gärtnern wie vor 100 Jahren. Der größte Dorn in meinem Gärtnerauge sind daher Dinge aus Plastik, denn die dürften eigentlich gar nicht existieren - zumindest nicht in meinem Garten. Mein großer Eimer: Plastik. Mein Komposter: Plastik. Das Fenster im Frühbeet: Plastik und dergleichen mehr. Ich mühe mich schon, nur Pflanzgefäße aus Ton im Garten zu haben, eine Regentonne und eine Gießkanne aus Metall, Pflanzschilder aus Tontöpfchen und Rankgerüste aus Zweigen. Ich habe schon viel Erfindungsreichtum aufgewandt, um Kunststoffe nicht in meinen Garten zu lassen, aber an manchen Punkten beginne ich zu (ver-)zweifeln, denn die Gegenwart lässt mir quasi keine Alternativen neben jenen aus Plastik Fantastik.  Ich habe m...

Vom Umlegen des Schalters

Bild
Sperriger Titel, oder? Vielleicht fällt mir später noch ein besserer ein. Aber worauf ich hinaus will: es ist wieder passiert. Genau wie letztes Jahr. Es stellt sich bei mir im Herbst, spätestens Ende November eine Gartenmüdigkeit ein und man will nicht mehr so recht im Garten werkeln und graben, da alles verblüht ist, das meiste geerntet und das Licht kaum noch den Erdboden erreicht. Der Zyklus des Gartenjahres geht dem Ende entgegen und wie bei den Pflanzen so ist auch meine Kraft aufgebraucht und ich möchte in die Winterpause. Man mummelt sich ein und schaut von drinnen nach draußen in die dunkle, bisweilen gefrorene Welt. Die Tage werden ja auch kürzer und warum sollte mein zivilisierter Biorhythmus darauf nicht reagieren? Man kann es auch schlicht Unlust und Überdruss nennen, die sich nach über 9 Monaten Pflanzenaufzucht und -pflege einstellt. Man möchte mal 'was anderes sehen und tun. Aber das erklärt nicht, was letzte Woche passiert ist. Man muss wirklich sagen, von ein...

Das erste Jahr

Bild
Die letzten Gemüse verweilen in der Erde, aber die Beete sind weitesgehend still gelegt. Das war es also - 2018, das erste Gartenjahr. Zeit für ein Resumee. Hui und... weniger hui im Beet: Die Knaller-Gewächse , die den besten und schönsten Ertrag gebracht und mich fast autark gemacht haben: Wintermöhren : ich sage nur: Das Kilo Möhre - am Stück! Die letzten Riesenmöhren werde ich wohl ernten, wenn ich die Wintermöhren fürs nächste Jahr sähe. Das war wirklich ein Premiumgemüse. Und sie hat - obwohl sie als Wintermöhre ja nicht für besonders süßes Aroma bekannt ist - den Geschmackstest gegen die gekaufte Biomöhre um Längen bestanden. Da steckt enorm Aroma-Wums drin. Ackerbohne : trug sogar zweimal und hat in den milden Tagen des Jahreswechsels allen Ernstes nochmal angefangen zu blühen... nicht umzubringen! Salat : vor allem im Frühling und Frühsommer reichlich vorhanden Cocozelle : unkompliziert und schädlingsfrei Radieschen : in allen Sorten ein Renner. Wenn man die...

Ich war dann mal weg...

Bild
Ich hab mich rar gemacht in den letzten Monaten und vor allem den letzten Wochen. Regelrecht abgetaucht. Kaum zu glauben, dass ich es geschafft habe, das Wintergemüse zu säen (wann war das eigentlich?). Warum, ist relativ schnell erklärt: Buddel hat eine Doktorarbeit geschrieben. Und die ist *etwas* zu lang geraten. Deshalb war es ein recht umständlicher Akt, sie zu Ende zu schreiben und einzureichen. Folglich habe ich meinen Sommer in der Bibliothek und nicht im Beet verbracht, bis der Wälzer denn endlich fertig war. Das ist er nun. Und ich bin wieder da. Vor diesem Post war ich außerdem im Urlaub, habe Italien, Frankreich und die heimische Saar bereist und komme - wieder zum Leben erwacht - nun wieder in Franken an. Zuerst der Beetstatus: natürlich hatte ich eine Gießvertretung. Die durfte im Gegenzug die Ernte in den zwei Wochen mitnehmen und wurde mit französischen Importprodukten entlohnt, dafür hat sie mein Gemüse schadlos durchgebracht. Die einsame Paprika hat große Früc...

Früher Spätsommer

Bild
Irgendwie ist es jetzt passiert, dass ich den Juli ohne Blog-Post habe vergehen lassen. Aber ich habe tatsächlich das Gefühl, die letzten vier Wochen meines Gartens quasi *verpasst* zu haben. Obwohl ich oft dort war zum Gießen... Eigentlich sollte ich meinen Blog umtaufen: Die Gärtnerin, die keine Zeit für einen Garten hat. Ein bisschen Unkrautmanagement und gießen. Sonst überlasse ich alles sich selbst. Das Gros des Wintergemüses kommt erst im September ins Beet, vorher werde ich keine Zeit finden. Aber ich rechne mit einem späten Winter... Heute war ich immerhin mit der Kamera zum Ernten und Gießen da und habe die Spätsommerstimmung eingefangen: Roter Rosenkohl im Abendlicht Die Ackerbohnen sind nach dem Roden einfach wieder gekommen... Der Spanische Pfeffer in Partystimmung bei 38°... Duwicker-Möhrchen, süß und knollig Die Cocozelle Unter dem Rosenkohl wachsen Kohlrabi Die fränkischen Zwiebeln :-) Mein einziger hitzeverträglicher Sal...

Sommer-Vanitas

Bild
Es ist jene kurze Zeitspanne, in der der Garten in größter Fülle steht. Alles ist groß, überquellend und breitet sich schamlos aus - reinste Eitelkeit. Und doch zeigt er schon die ersten Anzeichen, dass er seinen Zenit überschritten hat. Cocozelle. Ich sehe schon das Ragout vor mir... Kapuzinerkresse und Feuerbohne haben sich mächtig breit gemacht... bunter Mangold, kürzlich abgeerntet Vogelbad vor der Bienenweide Tondo di Chioggia die Kohl-WG Kaum zu glauben, dass er genauso wild und chaotisch und dennoch kultiviert gelungen ist, wie ich ihn mir letztes Jahr vorgestellt habe. Und alle fühlen sich offenbar pudelwohl, Pflanze und Tier.  Es sieht wüst aus, meine konsequente Flächenkompostierung ist dem Mitbewohner ein Greuel, weil ständig Grünschnitt zwischen den Pflanzen liegt und gammelt. Aber es funktioniert, die Erde bleibt länger feucht und der Mulch verwandelt sich in Dünger, der Kreis schließt sich immer wieder. Zeit habe i...